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Corona-Quarantäne: Millionen Arbeitnehmern droht ohne Booster der Lohnausfall

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Von: Luisa Weckesser, Alina Schröder

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Arbeiten trotz Corona-Quarantäne? Für Beschäftigte gelten in der Isolation bestimmte Regeln.
Arbeiten trotz Corona-Quarantäne? Für Beschäftigte gelten in der Isolation bestimmte Regeln. © Fabian Strauch/dpa

Die Corona-Fallzahlen in Deutschland sind hoch. Nun droht Millionen Beschäftigten der Lohnausfall, obwohl sie doppelt geimpft sind. Die Regeln im Überblick.

Kassel – Die Omikron-Variante treibt die Corona-Fallzahlen* in Deutschland derzeit in die Höhe. Tagtäglich kommen zehntausende Neuinfektionen dazu. Dementsprechend steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass man als Kontaktperson in Quarantäne muss. Bisher wurde Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmern, die im Homeoffice arbeiten konnten, das Gehalt wie gehabt weitergezahlt. Das ist auch weiterhin so.

Wenn es die Möglichkeit allerdings nicht gibt, haben Geimpfte und Genesene laut dem Infektionsschutzgesetz einen Anspruch auf Entschädigung. Personen, die sich nicht gegen Corona haben impfen lassen, bekommen seit November 2021 keine Entschädigung mehr, wenn diese aufgrund einer Quarantäne ausfallen. Nun wird es aber auch für Doppelt-Geimpfte eng, denn laut eines Kurzgutachtens des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages haben Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmern in Quarantäne, deren Zweitimpfung mehr als drei Monate zurückliegt, künftig keinen Anspruch auf eine Lohnzahlung.

„Das Fehlen der Covid-19-Auffrischungsimpfung würde dann zum Ausschluss des Entschädigungsanspruchs (...) führen“, heißt es in dem Gutachten. Der Grund: Der oder die Betroffene hätte den Arbeitsausfall mit der von der Stiko „öffentlich empfohlenen“ dritten Impfung verhindern können.

Millionen Arbeitnehmern droht ohne Booster der Lohnausfall: Es gibt Ausnahmen

Wenn man sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen kann, muss das mit einem ärztlichen Attest nachgewiesen werden. Dann wird eine Entschädigung bezahlt. Wie auch Krankheitszeiten wirken sich zudem Quarantänezeiten nicht auf den Urlaubsanspruch aus.

Die oben genannten Regeln beziehen sich jedoch nur auf einen Quarantäne-Fall, bei dem die betroffene Person eine Kontaktperson und einen negativen Test aufweist oder sich infiziert, aber keine Symptome hat. Denn grundsätzlich gilt: Wer während der Quarantäne Symptome einer Corona-Erkrankung zeigt und aus diesem Grund arbeitsunfähig ist, muss sich vom Arzt krankschreiben lassen und schließlich auch nicht arbeiten.

Im Video: Das bedeuten die neuen Quarantäne-Regeln für Beschäftigte

Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stellen sich außerdem die Frage: Muss man in solch einem Fall weiter arbeiten?

Für eine Antwort auf die Frage muss zunächst geklärt werden, ob die Möglichkeit oder gar aufgrund von Corona eine Verpflichtung besteht, im Homeoffice zu arbeiten. Darüber informierte Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrecht, laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Corona-Quarantäne: Müssen Beschäftigte trotz Isolation arbeiten?

„Wenn ich zum Beispiel auch sonst im Homeoffice arbeite, ändert eine Quarantäne nichts daran“, sagte Schipp. Jedoch gibt es auch Branchen, in denen Homeoffice nicht möglich ist, etwa in der Gastronomie oder im Handwerksbetrieb. „Nicht in jedem Fall wird man hier aus dem Homeoffice arbeiten müssen“, so der Anwalt.

Schipp zufolge muss erstmal geprüft werden, unter welchen Voraussetzungen die Arbeit von zu Hause aus möglich ist. Auch müsse der Arbeitgeber auf die Belange der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer achten und eingehen - beispielsweise auf eine beschäftigte Person, die unter beengten Umständen mit der Familie in Corona-Quarantäne ist.

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Beschäftigte, die über ein stilles Arbeitszimmer verfügen, müssen laut Schipp auch in der häuslichen Isolation Aufgaben ausführen, die der Arbeitgeber einem überträgt. Welche Tätigkeiten hier infrage kommen sowie deren Umfang, hänge davon ab, wie viel sie mit der vertraglich geschuldeten Arbeitsleistung des Arbeitnehmers oder der Arbeitnehmerin zu tun haben. Gehören zum Beispiel Dokumentationspflichten zu den Aufgaben einer Erzieherin oder eines Erziehers, könne der Arbeitgeber anordnen, dass diese auch daheim erledigt werden. Beschäftigte in einer Schlosserei können wiederum nicht dazu verpflichtet werden, im Homeoffice Rechnungen zu sortieren. „Das hat mit der vertraglich geschuldeten Tätigkeit gar nichts mehr zu tun“, sagte Schipp.

Kind an Corona erkrankt oder in Quarantäne? Das sollten arbeitende Eltern wissen

Wenn das eigene Kind an Corona erkrankt, gelten dieselben Regelungen wie bei anderen Erkrankungen auch: Falls ein gesetzlich versichertes Kind unter 12 Jahren elterliche Betreuung benötigt, bekommen Eltern ein ärztliches Attest - die sogenannte „Kindkrankschreibung“. Darüber informierte das Bundesministerium für Familie. Pro Jahr und Kind stehen jedem Elternteil laut aktuellem Gesetz 30 Kinderkrankentage zu. Zudem kann Kinderkrankengeld beantragt werden. Diese Regeln gelten auch für den Fall, wenn das Kind in Quarantäne ist.

Wenn die Möglichkeit einer Infektion besteht, weil man zu einer infizierten Person engen Kontakt hatte, ist eine Quarantäne erforderlich. Die betroffene Person sollte sich sicherheitshalber regelmäßig testen lassen. Wenn eine Ansteckung mittels Schnelltests und PCR-Test nachgewiesen wurde, gilt eine zehntägige Isolationspflicht. Je nach Krankheitsverlauf kann man sich nach sieben Tagen allerdings wieder freitesten und die Quarantäne vorzeitig beenden.

Das Land Hessen hat die Corona-Regeln für die Quarantäne* zuletzt noch einmal angepasst. (Alina Schröder) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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