Ski-Ressort in Nordkorea eröffnet

Wie kam die deutsche Pistenraupe zum Diktator?

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Nordkoreas Diktator Kim Jong Un setzte sich zur Eröffnung seines Luxus-Ski-Ressorts höchstpersönlich in den Sessellift. 

Pjöngjang - Nordkoreas Diktator Kim Jong Un hat sein Luxus-Ski-Ressort eröffnet. Das Prestige-Projekt entstand auch mit Hilfe europäischer - auch deutscher - Maschinen. Deren Hersteller wundern sich.

Bei der schwedischen Firma Areco herrschte großes Erstaunen, als nordkoreanische Staatsmedien diese Woche Aufnahmen vom luxuriösen Skigebiet an Nordkoreas Westküste zeigten: Außer dem etwa 30-jährigen Machthaber Kim Jong Un war auf den Bildern auch eine Schneekanone der Firma zu sehen. Areco-Chef Johan Erling sagte der schwedischen Zeitung "Dagens Nyheter" (Freitagsausgabe), es sei ihm ein Rätsel, wie das Gerät trotz EU-Sanktionen für Luxusgüter und Ausrüstungsgegenstände in das Land habe kommen können. Seine Firma habe die Schneekanone jedenfalls "nicht direkt" an Pjöngjang verkauft. Auch über China kam die Kanone laut Erling nicht nach Nordkorea. Er vermute deshalb, dass es sich um ein gebrauchtes Gerät handele, dessen Herkunft schwer zu ermitteln sei.

Laut der Süddeutschen Zeitung zeigen Fotos der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA aus dem neuen Skigebiet auch einen Pistenbully Typ 100 des schwäbischen Herstellers Kässbohrer. Zwei Walzgeräte der Südtiroler Firma Prinoth sowie italienische Schneekanonen sollen ebenfalls die Pisten des Diktators verschönern, schreibt die SZAuch diese Geräte sind offenbar gebraucht beschafft worden.

Das Skigebiet am Masik-Pass an der Westküste hatte bereits im vergangenen August Schlagzeilen gemacht, als die Schweiz den Export von Skiliften im Wert von umgerechnet 5,7 Millionen Euro für das nordkoreanische "Propaganda-Projekt" untersagte, das jetzt seine Eröffnung feierte. Den Bau des Lifts übernahm dann laut der SZ China.

Das Vorzeigeprojekt, für das sich der in der Schweiz ausgebildete Kim persönlich einsetzte, gilt als Gegeninitiative zu den Olympischen Winterspielen, die 2018 in Südkorea stattfinden sollen. Laut der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA hatte Kim das Ski-Resort als "in Blitzgeschwindigkeit" errichtetes "Zentrum der Aufmerksamkeit der Welt" gepriesen.

Der Staatsführer hat immer wieder seine Vorliebe für teure Freizeitprojekte gezeigt - etwa einen riesigen Wasserpark, einen Vergnügungspark und einen Luxus-Reitclub in der Hauptstadt Pjöngjang und deren Umgebung.

afp/hn

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