Große Keule im Schrank lassen

Kommentar: Lehrerstreiks - Disziplinarverfahren nach Urteil

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Die große Wende ist nicht gekommen. Das ist gut so! Hätte das Bundesverfassungsgericht beamteten Lehrern das Streiken erlaubt, dann wäre das Ende des Berufsbeamtentums eingeläutet worden. Von Peter Schulte-Holtey

Rosinenpicken darf es nicht geben – das haben die Richter festgestellt. Stimmt! Wer vom Staat eine lebenslange Jobgarantie erhält und viele Vorteile bei der Altersversorgung hat, der muss sich auch auf Pflichten und Spielregeln einlassen.

Für tausende Lehrer in Hessen, die 2015 für mehr Geld und kürzere Arbeitszeiten auf die Straße gegangen sind, wird das Urteil allerdings zum Bumerang. Disziplinarverfahren, die bis zur Klärung in Karlsruhe ruhten, werden nun wieder aufgenommen.

Den Lehrern drohen Einträge in die Personalakte, eine vorübergehende Sperrung für Beförderungen sowie bei Wiederholung gar die Kündigung. Pädagogen sprachen bereits von Einschüchterungsversuchen; der Ärger ist groß.

Doch die Betroffenen werden akzeptieren müssen, dass die begonnenen Verfahren von den Schulbehörden aus juristischer Sicht eröffnet werden mussten – und dass man sie nun auch zum Abschluss bringt.

Protest gegen Lehrer-Umstrukturierung: Fotos 

Die Behördenvertreter sollten sich aber den Tipp der Lehrergewerkschaft VBE zu Herzen nehmen und die ganz „große Keule“ im Schrank lassen. Ständige Zeitnot, wachsende Bürokratie, nörgelnde Eltern, geringer Gehaltsbonus – viele Lehrer kämpfen jetzt schon an so vielen Fronten, dass es ratsam ist, nicht noch mehr Unfrieden an die Schulen zu bringen.

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