Mordtaten von Neonazis

Kommentar: Düsteres Verbrechen

Die Bombe in der Osloer Innenstadt war kaum explodiert, da wussten viele Experten schon, dass islamistische Terrorgruppen dahinter steckten. Nur wenig später stand man blamiert da, als sich herausstelle, dass ein rechtsextremistischer Einzeltäter am Werk war. Von Wolfgang Blieffert

Insofern ist Vorsicht geboten, zum jetzigen Zeitpunkt von einer Braunen Armee Fraktion oder einem bundesweiten Terrornetzwerk zu schwadronieren. Der Hang zu griffigen Formulierungen darf nicht den kritischen Blick auf die Ereignisse trüben. Und dem Wunsch nach rascher Aufklärung darf nicht das Gebot der Sorgfalt geopfert werden.

Die aber ist notwendig, um Licht in diese düsteren Verbrechen zu bringen: Über zehn Jahre lang waren die Mitglieder der Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund offenbar bereits aktiv, haben Morde geplant und ausgeführt. Dass die Sicherheitsbehörden von der Existenz dieser Terrorgruppe nichts mitbekommen haben wollen, ist ein Unding. Dass einige dieser Neonazis möglicherweise Kontakt zum Verfassungsschutz hatten, wäre ein Skandal.

So erfreulich die jüngsten Ermittlungserfolge sind, so erschreckend sind die Brutalität der Täter und die Niedertracht ihrer Motive. Wir haben es mit einem beunruhigenden und in Teilen immer noch rätselhaften Verbrechen zu tun. Und der bösen Ahnung, dass aus dem Abgrund, in den wir schauen, noch mehr Schreckliches zutage kommen könnte.

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