Kommentar: Was für eine Heuchelei

Man höre und staune: Die deutsche Lebensmittelwirtschaft sorgt sich um regionale Produkte, die im Rahmen des geplanten Freihandelsabkommens TTIP unter die Räder kommen könnten. Von Burkhard Peters  

Hinter der Furcht, dass Nürnberger Rostbratwurst demnächst auch aus Kentucky statt aus Franken stammen darf, steckt ein gute Portion Heuchelei. Denn die Ernährungsindustrie selbst nimmt bisweilen Herkunftsbezeichnungen sehr locker.

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So braucht Alpenmilch nicht zwangsläufig von glücklichen, auf Bergweiden grasenden Kühen zu stammen, sondern darf auch aus einem riesigen Stall irgendwo in der Nähe der Alpen kommen – das für die Qualität der Milch entscheidende Futter sogar aus aller Welt. Das geht rein juristisch gesehen in Ordnung, aber Kunden fühlen sich hinters Licht geführt. Andere Hersteller, die ihre Marke auf Lokalkolorit aufbauen, importieren ihre Zutaten in Wirklichkeit sogar aus dem Ausland. Das alles mag legal sein, Verbraucher werden verschaukelt.

Warum also regt sich die Lebensmittelwirtschaft, die Kunden Pizzen ohne richtigen Käse unterschiebt, auf, wenn beispielsweise Schwarzwälder Schinken gar nicht aus dem Südwesten Deutschlands, sondern aus dem Mittleren Westen der USA stammen darf? Die Nahrungsmittelindustrie sollte zunächst damit beginnen, ihre Forderungen selbst einzuhalten und die viel beschworene Transparenz im Sinne des Verbrauchers umzusetzen. Gute Produkte und Transparenz sind die beste Antwort auf TTIP.

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