Christian Wulff in Ankara

Eine kluge Rede

Unter Freunden sind offene Worte möglich. Und deshalb hat Bundespräsident Christian Wulff bei seiner Rede vor dem türkischen Parlament auch kein Blatt vor den Mund genommen. Von Wolfgang Blieffert

Er lobte die Leistung der ursprünglich als Gastarbeiter gekommenen Türken, benannte aber auch klar die Probleme bei der Integration türkisch-stämmiger Migranten: Verharren in Staatshilfe, hohe Kriminalitätsraten, Macho-Gehabe, Bildungsverweigerung.

In gewisser Weise waren die Abgeordneten und die Öffentlichkeit in der Türkei der falsche Adressat. Denn nicht sie müssen die Integrationsleistung erbringen, sondern die Migranten hier bei uns. Mit der Rede in Ankara spielte Wulff seine Forderung nach mehr Integration quasi über Bande an die Muslime in Deutschland. Ein geschickter Zug einer klugen Rede.

Noch bemerkenswerter war die als Ermunterung verpackte Mahnung an die türkische Politik, die Religionsfreiheit auch für die christliche Minderheit im Lande zu gewährleisten. Was früher als Einmischung in die innere Angelegenheit eines anderen Staates gerügt worden wäre, ist heute ein normaler Rat unter Freunden. Und ein echter Fortschritt.

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