Kommentar: Eine riesige Blamage

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Lorenz von Stackelberg

Was sich im Raum Nr. 2806 des Sofitel-Hotels in Manhattan wirklich zwischen Dominique Strauss-Kahn und einem Zimmermädchen abgespielt hat, liegt nach wie vor im Dunkeln. Von Lorenz von Stackelberg

Fest steht aber, dass das vorgebliche Opfer durch die neuesten Erkenntnisse der Anklagebehörde in ein derart schiefes Licht geraten ist, dass der Tatvorwurf sexueller Gewalt vor Gericht nach menschlichem Ermessen zusammenbrechen dürfte. Die Freilassung aus dem strengen Arrest ist nur die erste Konsequenz.

Der Fall Strauss-Kahn entwickelt sich damit zur Riesenblamage für die forschen New Yorker Inquisitoren - und zum exemplarischen Beispiel für den gnadenlosen Umgang amerikanischer Justiz- und Sicherheitsbehörden mit der hierzulande aus guten Gründen hochgehaltenen Unschuldsvermutung. Der Chef des Internationalen Währungsfonds unrasiert, mit gefesselten Händen, eskortiert von Polizisten auf dem Weg zum Haftrichter: Diese bereitwillig präsentierten Bilder, garniert mit zahllosen unappetitlichen Details des angeblichen Verbrechens, rund um den Erdball von sämtlichen Medien publiziert, erfüllten perfekt den Tatbestand der Vorverurteilung. Ohne Schuldspruch, ohne Beweise verlor Strauss-Kahn sein Amt an der Spitze des IWF und die Rolle des Kronprinzen der französischen Sozialisten.

Jetzt winkt ihm zwar die baldige Wiedererlangung seiner uneingeschränkten Freiheit, aber sein früheres Leben liegt in Trümmern.

Zu Selbstgerechtigkeit besteht übrigens hierzulande kein Anlass. Polizei und Justiz, die sich etwa im Kachelmann-Prozess angreifbar gemacht haben, sind gut beraten, den Fall Strauss-Kahn als drastische Mahnung zu begreifen.

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