Embryonen-Schutz

Kommentar: Enge Grenzen statt Verbot

Ungeborenes Leben muss geschützt werden. Das gilt auch für Embryonen, die in einem Labor auf ihre „Erweckung“ warten. Aber muss ein Embryo im Reagenzglas besser geschützt werden als ein Embryo in der Gebärmutter? Von Monika Reuter

Praktisch hieße ein Verbot von Präimplantationsdiagnostik (PID), dass Embryonen nicht auf schwere Erbkrankheiten getestet werden dürfen, sondern unbesehen der Mutter eingepflanzt werden müssen. Wird daraus eine Schwangerschaft, so kann die Frau den Embryo in ihrem Körper später medizinisch untersuchen lassen. Sollte dann eine gefährliche Erkrankung festgestellt werden, steht die Schwangere vor der schweren Entscheidung einer möglichen späten Abtreibung.

Dieser furchtbare Konflikt könnte der Schwangeren erspart werden, indem man Embryonen, bei denen ein schwerer Gen-Defekt erkennbar ist, nicht implantiert. Wohlgemerkt: Hier geht es um gefährliche, genau zu definierende Schäden, nicht um den Wunsch nach blonden Haaren, blauen Augen oder einem IQ von 150.

Paare, die absolut erfüllt von einem Kinderwunsch auf Laborzeugung zurückgreifen müssen, haben in der Regel einen langen medizinischen Leidensweg hinter sich. Ihnen die Möglichkeit zu einem gesunden Baby zu verschaffen, muss jetzt gegen den denkbaren Missbrauch einer genetischen Selektion abgewogen werden. Hier ist der Gesetzgeber gefragt, der enge Grenzen bei der PID festlegen muss. Sie indes total zu verbieten, wäre Frevel an den künftig Schwangeren.

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