EU erneuert scharfe Kritik an Teheran

+
Mit scharfer Kritik hat die Europäische Union auf die Todesfälle reagiert, zu denen es bei Demonstrationen im Iran gekommen ist.

Brüssel - Mit scharfer Kritik hat die Europäische Union auf die Todesfälle reagiert, zu denen es bei Demonstrationen im Iran gekommen ist. Am Montag wurde diese Kritik noch einmal verstärkt.

“Wir verurteilen sehr scharf die Todesfälle“, sagte Schwedens Außenminister Carl Bildt am Montag in Brüssel unter Bezug auf im Iran getötete Demonstranten.

Bildt, der vom 1. Juli an bis zum Jahresende den Vorsitz im EU-Außenministerrat führt, forderte zugleich eine Untersuchung der Zweifel an der Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad. “Es liegt bei ihnen (den Iranern), die Glaubwürdigkeit ihres politischen Prozesses zu beweisen“, sagte er am Montag in Brüssel.

Der künftige EU-Ratsvorsitzende sagte: “Es ist kaum überraschend, dass der Iran über eher starke Erklärungen (der EU) unglücklich ist. Unsere Botschaft sollte in Teheran gehört werden.“ Die Staats- und Regierungschefs der EU hatten am Freitag die Untersuchung des Vorwurfs der Wahlfälschung gefordert und Gewalt gegen friedliche Demonstranten kritisiert. “Wenn unsere Botschafter ins Außenministerium in Teheran einbestellt werden, dann ist das eine Botschaft, dass wir gehört worden sind - und aus dieser Sicht ist das gut.“

Bildt ließ offen, ob die EU in den kommenden Monaten in Ahmadinedschad einen Gesprächspartner sieht. “Wenn wir es nicht schon vorher wussten, dann haben wir jetzt gesehen, dass die höchste Autorität im Iran beim religiösen Führer (Ajatollah Chamenei) liegt. In welcher Weise dies Auswirkungen auf die Weise hat, in der wir Gespräche führen, bleibt abzuwarten.“

Bildt sagte, die EU sei weiterhin am Dialog mit dem Iran “über eine Reihe wichtiger Fragen“ interessiert: “Der Streit um das iranische Atomprogramm ist nur eine davon, aber eine wichtige. Die Notwendigkeit, mit dem Iran zu reden und die Hoffnung auf eine positive Antwort sind immer noch da.“

Der schwedische Außenminister forderte die Regierenden in Teheran auf, das auch in der iranischen Verfassung verankerte Recht auf friedliche Demonstrationen zu achten. “Und ganz sicher wird der Einsatz tödlicher Gewalt gegen friedliche Demonstranten in keinem Land toleriert.“

EU-Chefdiplomat Javier Solana sagte am Montag, er hoffe, dass es keinen Bürgerkrieg im Iran gebe: “Das sollte außerhalb unseres Denkens liegen.“ “Wir würden gerne sehen, wie es erreicht werden kann, dass der Wille des Volkes respektiert wird und dass zu guter Letzt der Wille des Volkes umgesetzt wird“, sagte Solana. Er forderte die Regierung auf, das Recht auf Demonstrationsfreiheit und auf Pressefreiheit zu respektieren.

dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare