Kommentar zu Guttenbergs Plagiatsaffäre

Kommentar: Ernüchternde Erkenntnisse

Wenn es um Politik geht und um die, die sie nach außen vertreten, beanspruchen die Parteien mit dem C im Namen seit jeher eine Tugend in besonderem Maße für sich selbst: Seriosität. Von Manfred Brackelmann

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Guttenberg weiter unter Druck

Davon ist im Zuge der Affäre um Karl-Theodor zu Guttenberg wenig geblieben. Befragung und Aktuelle Stunde im Bundestag waren überfällig, das Ergebnis indes absehbar: Der Minister folgt mit Teil-Zugeständnissen einer immer peinlicheren Faktenlage, gibt den Betroffenen und gefällt sich sichtlich. Sein politisches Lager spendet demonstrativ Beifall für eine verteidigungspolitische Leistung, bei der zu Guttenberg im Blick auf den vielfach tödlichen Einsatz in Afghanistan bewusst Dinge miteinander vermischt, die tunlichst zu trennen wären: Er war es schließlich, der die Soldaten dort zur Kulisse für eine mediale Offensive in eigener Sache machte.
Noch unangenehmer wird es, wenn man auf seine Vorgesetzte schaut. Kanzlerin Angela Merkel hat die Messlatte politischer Moral mit Blick auf ihren Vorzeige-Minister drastisch gesenkt. Schließlich habe sie keinen wissenschaftlichen Assistenten, sondern einen Politiker ins Verteidigungsministerium berufen. Will heißen: Da kommt es dann wohl nicht mehr drauf an, wie genau es so einer mit der Wahrheit nimmt.

Die ernüchterndste Erkenntnis aber geht in die Breite der Gesellschaft. Denn es gibt - will man den Umfragen glauben - eine deutliche Mehrheit, die all das nicht so schlimm und den Minister selbst nach wie vor sympathisch findet. Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit? Schnuppe. Diese Mehrheit - und anders kann man es nicht sagen - hört gar nicht mehr hin, wenn es um Hintergründe geht. Sie nimmt es hin, belogen und betrogen zu werden, wenn derjenige, der sie belügt und betrügt, es nur einigermaßen nett anstellt und auch noch gut dabei ausschaut. So munitioniert, kann der Verteidigungsminister für sich selbst tatsächlich nur einen Schluss ziehen: Weitermachen!

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