Frauenquote bei der CSU

Kommentar: Ein erster Schritt

Franz-Josef Strauß wird sich im Grabe herumdrehen. Auch seine CSU verordnet sich jetzt eine Frauenquote. Der letzte Beschluss steht zwar noch aus, im Gegensatz zu ersten Überlegungen ist der des Parteivorstands von gestern auch schon ziemlich verwässert - aber immerhin. Auch jenseits des Weißwurst-Äquators tut sich was. Von Angelika Dürbaum

Natürlich geht jetzt wieder das Gezeter um Sinn und Unsinn einer Quote los. SPD, Grüne, ja sogar die große Schwester CDU und viele Wirtschaftsunternehmen haben vorgemacht, dass das Modell funktioniert und etwas bringt - für beide Seiten.

Es ist aber nicht nur diese Erkenntnis, die die CSU die Quote auf die Tagesordnung setzen lässt. Dass die Partei weiblicher werden will, entspringt letztlich der blanken Not. Die Christsozialen, die vor sieben Jahren noch mehr als 60 Prozent der Stimmen bei der Landtagswahl einkassieren konnten, dümpeln heute in Umfragen an der 40-Prozent-Marke herum. Neue Wählerschichten müssen also erschlossen werden. Aber immer noch tut sich die Partei schwer mit dem gesellschaftlichen Wandel. Womit will sie bei jungen, gut ausgebildeten Frauen punkten, die ihr Glück nicht nur zwischen Kind und Küche sehen, die Familie und Beruf unter einen Hut bringen wollen? Das lange Beharren auf alten Strukturen bei der Kinderbetreuung ist da sicher kein Empfehlungsschreiben. Dazu passt, dass ganze 18 Prozent der CSU-Mitglieder Frauen sind (bei den Grünen sind es fast 40 Prozent), die Landesgruppe der CSU im Bundestag 13 Prozent Frauen zählt (ansonsten sind es im Bundestag 33 Prozent) und dass unter den 92 CSU-Abgeordneten im bayerischen Landtag 19 Frauen zu finden sind. Aber nun ist ja ein erster Schritt getan.

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