„Flüchtlingswelle schwillt an“

Kommentar: Europäisches Erdbeben

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Symbolbild

Die Flüchtlingswelle rollt. Eine gigantische Herausforderung für Europa! Und es gibt keine Garantie dafür, dass die „alte Welt“ sie schadlos überstehen wird. Ein Kommentar von Werner Menner

Das Problem zeichnet sich seit mehr als einem Jahrzehnt ab, seit mit dem Irak-Krieg alle Dämme gebrochen sind und die arabisch-islamische Weltordnung in einen Auflösungsprozess stürzte. Europa ist damit vor die Schnittfläche einer Sichel des Terrors, der Kriege und der Unruhen geraten, die vom Bosporus bis nach Marokko reicht. Die Konflikte verschärfen sich, und das bedeutet zwangsläufig, dass die Spitze der Flüchtlingswelle noch lange nicht erreicht ist.

Werner Menner

Die Politik hat versagt – vor allem, als noch Chancen bestanden, das Problem an den Wurzeln zu bekämpfen. Das ist vorbei. Zeichnete sich eine Lösung ab – wie im Streit zwischen Türken und Kurden, wurde (oder wird) diese mit fadenscheinigen Gründen oder aus purer Machtgier boykottiert. Derzeit „tarnt“ die Türkei mit Hieben gegen den IS ihr Vorgehen gegen die Kurden. Zu den Folgen gehört auch eine weitere Flüchtlingswelle: Viele der in der Türkei eingerichteten Auffanglager für Syrer liegen auf kurdischem Gebiet. Die Menschen werden (müssen) wieder fliehen. Das neue Ziel: Europa, Alternativen gibt es nicht mehr. Hellas und die Balkanländer wird die Welle zuerst treffen. Dass Serbien bereits ein Zentrum für gut 400.000 Flüchtlinge erwägt, ist nur der Realität geschuldet. Dass Ungarn einen Zaun errichtet, ist menschenverachtend und letztlich sinnlos. Aber ist es irgendwie nicht auch verständlich, ein Zeichen der Ohnmacht – eine Ohrfeige für die Politik? Nochmal: Die Politik hat versagt – nicht die Menschen, nicht die Helfer. Es ist inzwischen müßig, über Auffanglager in Nordafrika zu diskutieren. Wo sollen die denn entstehen? Europa hat lautstark den Sturz von Diktatoren bejubelt. Verständlich. Nur: Man hatte weder ein Konzept noch wurde die Frage nach dem Danach gestellt. Aber die Antwort kommt auch ungefragt. Und sie wird Europa bis in die Grundmauern erschüttern.

Fluchterfahrungen von Prominenten und Künstlern

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