Falscher Doktor im Bundestag

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Der Bundestagsabgeordnete Dr. Dieter Jasper hat Ärger mit seinem Doktortitel.

Münster - Mit riesengroßer Freude hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Dieter Jasper seinen Einzug in den Deutschen Bundestag gefeiert. Zweifel kommen nun an seinem Doktortitel auf.

Der Sieg des CDU-Kandidaten Dr. Dieter Jasper bei der jüngsten Bundestagswahl kam überraschend. Umso größer war der Jubel bei den Parteifreunden: Mit zwei Prozentpunkten Vorsprung hatte der Politiker aus dem münsterländischen Hopsten in seinem Wahlkreis Steinfurt III den SPD-Rivalen und langjährigen Bundestagsabgeordneten Reinhold Hemker geschlagen.

Ausgelassen feierten Jaspers Anhänger am Abend des 27. September 2009 den Sieg in einem Hotel im Teutoburger Wald. Jaspers Statement damals: “Wir freuen uns total.“ Knapp fünf Monate später folgt nun die große Ernüchterung. Jasper soll seinen Doktortitel, mit dem er im Wahlkampf auf Plakaten und Broschüren für sich geworben hatte und der auch auf den Stimmzetteln stand, zu Unrecht geführt haben. Politiker von SPD, Grünen und Linkspartei fordern nun den Rücktritt Jaspers sowie Neuwahlen im Kreis Steinfurt - ein auf Bundesebene in Deutschland bisher einmaliger Vorgang.

Titel gegen Bares?

Im Januar hatte Jasper auf Anfrage regionaler Medien eingeräumt, dass er seinen Doktortitel der Wirtschaftswissenschaften abgelegt habe, weil er in Deutschland nicht anerkannt sei. Erworben habe er ihn an der Freien Universität Teufen in der Schweiz. Nach Ansicht vieler Professoren handelt es sich dabei um eine “Titelmühle“, die gegen Bares akademische Grade vergibt. Staatlich anerkannt ist sie nicht.

Der Experte zum Titel-Handel, der Betriebswirtschaftler Prof. Manuel Theisen, hatte mit Blick auf die Universität mal gesagt, deren Titel seien so viel wert “wie ein Kartoffeldruck an der Wand“. Wer hierzulande einen nicht anerkannten Titel trägt, verstößt gegen das Strafgesetzbuch, riskiert eine Geld- oder Gefängnisstrafe von bis zu einem Jahr. Die Staatsanwaltschaft Münster prüft, ob sie Antrag auf Aufhebung der Immunität Jaspers stellen soll.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete bereut inzwischen den fragwürdigen Doktortitel. “Ich habe einen Fehler gemacht und diesen als solchen erkannt“, schreibt er in einer E-mail. “Ich bin bereit, dafür gerade zu stehen.“ Weitere Äußerungen lehnt der Unternehmer ab. Der “Münsterschen Zeitung“ hatte er zuvor gesagt: “Ich bin Betrügern aufgesessen“. Für die Uni Teufen habe er sich entschieden, weil “die Kriterien in der Schweiz für einen Doktortitel nicht so streng sind“ und er seine Doktorarbeit “berufsbegleitend“ schreiben konnte.

Erst 2009 will er von Berichten über gekaufte Doktortitel aufgeschreckt worden sein. Deswegen habe er ein Anwaltsbüro beauftragt, die Gültigkeit zu prüfen. Im Oktober ­ also nach der Bundestagswahl ­ habe er dann das “überraschende“ Ergebnis mitgeteilt bekommen. Er habe sofort alles unternommen, um den Fehler zu korrigieren. Ein Ausscheiden aus dem Bundestag lehne er aber ab. Politiker von SPD, Grünen und Linker in seinem Wahlkreis glauben diese Version nicht. Sie werfen dem CDU-Mann Wahlbeeinflussung vor. SPD und Linke stellten bei Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) Anträge, die Direktwahl im Wahlkreis Steinfurt III zu überprüfen und Neuwahlen zu veranlassen.

“Ein solcher Titel konnte und sollte bei Wählern den Anschein erwecken, dass der Kandidat mehr von Wirtschaft versteht“, schreibt etwa ein SPD-Politiker aus dem Kreis Steinfurt. Weil die Wahl mehr als zwei Monate zurückliegt, können die Wähler selbst keinen Einspruch mehr einlegen. Die geforderte Wahlprüfung kann nur noch der Bundestagspräsident per Einspruch in Gang setzen. Dies werde derzeit geprüft, sagte ein Sprecher.

Silke Katenkamp

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