Fatales Signal

Kritik am Holocaust-Leugner: Zunächst schien es auf den ersten Blick ein begrüßenswerter Akt der Aussöhnung zu sein. Benedikt XVI. vergab vier Klerikern, die sich einst von einem aus ihrer Sicht „vom Modernismus verseuchten“ Rom abgewandt hatten.

Erzbischof Marcel Lefebvre - ein erbitterter Gegner der Kirchenreform im Zuge des 2.Vatikanums - hatte sie widerrechtlicherweise 1988 geweiht. Sie waren kurz darauf exkommuniziert worden. Nachdem sie vor kurzem Gehorsam gegenüber dem Papst gelobt hatten, hob das katholische Kirchenoberhaupt die Exkommunizierung wieder auf. Welche fatalen Folgen diese Entscheidung hat, wurde im Vatikan allerdings nicht berücksichtigt; denn die Empörung war programmiert, weil einer dieser Bischöfe - Richard Williamson - jüngst in einem Interview den Holocaust geleugnet hatte. Er hat wiederholt das Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen an den Juden geleugnet.

Wieder einmal fällt ein Schatten auf den Vatikan - und der Zorn vieler Gläubiger angesichts dieser krassen Fehlentscheidung des Papstes ist nachvollziehbar. Holocaust-Leugner dürfen in der Kirche nichts zu suchen haben. Benedikt XVI. hätte Williamson niemals entgegenkommen dürfen.

Ein „Ja, aber“ darf es in dieser Frage auch nicht geben. So ist es unverständlich, wenn sich die deutschen Bischöfe zwar von den Äußerungen des Briten distanzieren - aber nicht von der Papst-Entscheidung. Die Bischöfe verkennen offenbar das fatale Signal, das von der katholischen Kirche ausgesendet wird.

Klarere Worte kommen vom Frankfurter Hochschulpfarrer, Jesuiten-Pater Martin Löwenstein, der von einem „großen Unverständnis“ über das Papst-Votum berichtet. Es sei beschämend, „dass Christen, die, wie nun auch wieder Richard Williamson, die Eucharistie empfangen, das Volk Jesu Christi, die Juden, verunglimpfen und das schreckliche Unrecht, das Juden angetan wird, herunterspielen“.

(Peter Schulte-Holty)

peter.schulte-holty@op-online.de

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