Kommentar: Flughafen-Bauchef gesucht – Notlandung inbegriffen

Für den Pfusch an der Baustelle des neuen Berliner Flughafens hat in dieser Woche Verkehrsminister Ramsauer jede Mitverantwortung zurückgewiesen. Auch die Hauptverantwortlichen, Oberbürgermeister Wowereit und Ministerpräsident Platzeck, haben nichts zu befürchten. Von Dirk Ippen

Der Bürger aber fragt sich, woher es kommt, dass öffentliche Bauvorhaben regelmäßig teurer werden als geplant, oft mangelhaft sind und verspätet fertig werden? Berlin ist ja nur ein Beispiel in der Reihe Philharmonie in Hamburg, U-Bahn-Bau in Köln, Pinakothek der Moderne in München und unzähligen anderen öffentlichen Bauten landauf, landab.

Wenn ein Privatmann einen Bauauftrag vergibt, dann ist er gut beraten mit einer gründlichen Detailplanung, von der es später möglichst keine Änderungen mehr geben darf. Und bei der Ausschreibung tut er gut daran, nicht immer nur dem billigsten, sondern dem zuverlässigsten Anbieter den Zuschlag zu geben. Der öffentliche Auftraggeber dagegen ist von Gesetzes wegen verpflichtet, immer den billigsten Anbieter auszuwählen.

Die Billiganbieter erkennen dabei oft schon in der Angebotsphase, welche Hintertürchen die Ausschreibung offenlässt, oder ob sie Planungen enthält, die sich so gar nicht verwirklichen lassen. Haben sie aber erst einmal den begehrten Zuschlag erhalten, dann ist die Konkurrenz aus dem Felde geschlagen. Nachtragsangebote, wie es beim Berliner Flughafen 286-mal passiert sein soll, können dann zu fetten Preisen platziert werden. Schlaue Anbieter haben schon beim Erstangebot einkalkuliert, dass öffentliche Bauherren von vielen Seiten unter Druck gesetzt werden und immer wieder Änderungen an ihrer Bauplanung vornehmen müssen. Auf diesem Wege holen sich Baufirmen das zurück, was sie in der Ausschreibungsphase nachgeben mussten aufgrund der Notwendigkeit, der scheinbar billigste Anbieter zu sein.

Öffentliche Bauten können daher gar nicht mit den Kosten enden, mit denen sie am Anfang veranschlagt und vergeben worden sind. Berlin-Schönefeld ist nur die Steigerung eines allgemeinen Problems des öffentlichen Bauens, bei dem die Bauverantwortlichen gar nicht anders konnten, als den Überblick zu verlieren.

Öffentliche Bauherren, nicht nur in Berlin, könnten von der sparsamen preußischen Verwaltung zu Kaiserzeiten lernen. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass alle öffentlichen Bauten aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg - Schulen, Postämter, Bahnhöfe - irgendwie gleich aussehen? Für alles gab es im alten Preußen einheitliche, zentral entwickelte Baupläne, die jeweils nur auf unterschiedliche Größen angepasst wurden. Ähnlich arbeiten heute Supermärkte und Shoppingcenter. Die Berliner Flughafenbauer hätten in Schönefeld ruhig die Kopie eines anderen, schon vorhandenen Flughafens bauen können aufgrund von Plänen, die sich in der Praxis bereits bewährt haben. Dann gäbe es jetzt auch einen geordneten Brandschutz, bei dem der Rauch im Brandfall dahin abgeleitet wird, wohin er gehört. Dann bräuchte man jetzt auch keinen neuen Bauchef zu suchen, der eigentlich nur noch die Notbremse ziehen kann auf der Chaos-Baustelle von Wowereit, Platzeck und Co.

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op-online.de

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