Freigelassene Journalisten wieder in Deutschland

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Der iranische Außenminister Ali-Akbar Salehi und Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle bei einer Pressekonferenz in Teheran. Westerwelle war dorthin gereist, um die freigelassenen Journalisten in Empfang zu nehmen.

Berlin - Nach mehr als viermonatiger Haft im Iran sind zwei deutsche Journalisten am Sonntagmorgen mit einer Regierungsmaschine in die Heimat zurückgekehrt. Im Urteil hieß es, sie "haben es verdient".

Das bestätigte ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin. Gemeinsam mit Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP), der die Reporter der “Bild am Sonntag“ aus Teheran abgeholt hatte, waren sie am frühen Sonntagmorgen mit einer Regierungsmaschine in Berlin eingetroffen.

Der Redakteur Marcus Hellwig und der Fotograf Jens Koch waren am Samstagabend gegen eine Strafzahlung von je 50.000 Dollar (35.000 Euro) freigekommen. Ein Gericht in der nordiranischen Stadt Täbris hatte die 20-monatige Haftstrafe wegen angeblicher Vergehen gegen die nationale Sicherheit in eine Geldstrafe umgewandelt. Die beiden Deutschen “haben es verdient, dass ihre Strafe umgewandelt wird und sie islamische Gnade erfahren“, hieß es in dem Urteil. Hellwig und Koch befanden sich bis zu ihrer Abreise aus dem Iran in der Obhut der deutschen Botschaft in Teheran.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Abend mit großer Erleichterung auf die Nachricht von der Freilassung der Reporter reagiert. “Ich bin sehr froh, dass Marcus Hellwig und Jens Koch endlich als freie Menschen zu uns nach Deutschland zurückkehren können“, sagte sie der “Bild am Sonntag“. Sie dankte allen im Auswärtigen Amt in Berlin und der deutschen Botschaft in Teheran, die in den vergangenen Monaten unermüdlich für diese Freilassung gearbeitet haben.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) war nach Teheran gereist, um die beiden Journalisten in die Heimat zu begleiten. Zuvor war er mit seinem iranischen Amtskollegen Ali Akbar Salehi zusammengetroffen. Westerwelle zeigte sich ebenfalls erleichtert, dass der Fall der beiden deutschen Staatsangehörigen gelöst werden konnte. Er dankte allen, die daran mitgewirkt haben ebenso wie seinem iranischen Amtskollegen für dessen Bemühungen in dieser Angelegenheit. Die beiden Journalisten waren 132 Tage in der Gewalt iranischer Behörden.

Mit großer Freude haben die Angehörigen der beiden Reporter auf die Freilassung reagiert. “Wir sind dankbar und glücklich und freuen uns, dass das lange Bangen und Hoffen doch noch ein gutes Ende gefunden hat“, sagten die Schwestern des Redakteurs Marcus Hellwig, Miriam Lobinsky und Christina Hellwig, der “Bild am Sonntag“. Der Vater des Fotografen Jens Koch, Andreas Hartmann, sagte, er habe in dem Moment, an dem er von dem Freikommen erfuhr, nur noch Tränen in den Augen gehabt. “Da heulen Sie als Vater einfach nur vor Freude.“

Der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, erklärte in Hamburg: “Wir freuen uns sehr, dass nach so langer Zeit die Reporter Jens Koch und Markus Hellwig wieder frei sind. Wir danken allen, die dazu beigetragen haben, für ihre Unterstützung und Solidarität, den Mitarbeitern der Axel Springer AG, der Redaktion von 'Bild am Sonntag' sowie den Verleger- und Journalistenverbänden.“ Döpfner dankte besonders Westerwelle, der sich mit großem persönlichem Engagement für die Freilassung der Reporter eingesetzt habe.

Der stellvertretende Chefredakteur der “Bild am Sonntag“, Michael Backhaus, sagte in Berlin: “Über die Freilassung sind wir hier alle überglücklich.“ Ein 132 Tage langer Albtraum sei damit für die Redaktion und alle Angehörigen zu Ende.

Die Reporter waren mit einem Touristenvisum eingereist und am 10. Oktober in Täbris festgenommen worden. Die beiden hatten den Sohn der wegen Ehebruchs zum Tode durch Steinigung verurteilten Sakine Aschtiani interviewt. Die iranischen Behörden hatten ihnen vorgeworfen, Kontakte zu regierungsfeindlichen Gruppen außerhalb des Irans zu haben. Das Interview mit Aschtianis Sohn Sadschdschad Kadersadeh sei von einer gegen Teheran gerichteten Gruppe mit Sitz in Deutschland vermittelt worden, hieß es bei der Festnahme.

dapd

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