Kommentar: Fronten verhärtet

Noch ist es ein Krieg der Worte, doch die Fronten sind verhärtet. Gefährlich verhärtet.

London hatte - auch wenn dies im Iran von Radikalen als willkommene Provokation empfunden werden mag - keine andere Wahl, als nach dem Sturm auf die britische Botschaft in Teheran iranische Diplomaten auszuweisen. Mag sein, dass das Mullah-Regime die internationale Regeln mit Füßen tretende Aktion nicht initiiert hat. Vielleicht. Es hat sie aber auch nicht verhindert. Deshalb ruft auch Berlin seinen Botschafter zurück.

Es wäre falsch, nun aus dem Verhalten von Radikalen, wie man sie in jedem Land finden kann, Rückschlüsse auf die Einstellung der gesamten Bevölkerung zu ziehen. Die Iraner sind wütend, weil sie sich auch in der Atomdiskussion vom Westen gegängelt fühlen, und weil sie Sanktionen ausgesetzt werden, die nur das Volk, nicht aber das Regime treffen. Ein Regime, das die wenigsten mögen, gegen das die meisten aber (noch) machtlos sind; ein Regime, hinter das sie sich aber stellen, wenn es von außen attackiert wird. Weil viele Iraner darin einen Angriff auf ihr Selbstbewusstsein sehen. Letzteres freilich muss nun auch der Westen demonstrieren.

Die Regierung des Iran steht nach dem skandalösen Angriff auf britisches Hoheitsgebiet im Abseits. Man wird dies auch im islamisch-arabischen Umfeld so registrieren. Es gibt keinen Grund, die Situation zusätzlich zu verschärfen. Angesagt sind nun großes diplomatisches Geschick.

Rubriklistenbild: © op-online.de

Kommentare