Werben für Ägypten-Urlaub

Kommentar: Gefährliche Schnäppchen

Ja, es ist richtig, was Entwicklungsminister Dirk Niebel sagt: Das Auswärtige Amt hat die Reisewarnungen für Tunesien und Ägypten aufgehoben. Doch der FDP-Mann prescht gleich unüberlegt ungestüm vor. Von Siegfried J. Michel

Jetzt sei die Gelegenheit, „einen schönen Urlaub zu günstigen Preisen zu bekommen“. Beginnen da nicht die Augen eines jeden deutschen Schnäppchenjägers zu leuchten?

Dem wohl gut gemeinten Werben des Minister sollte man aber mit einer gehörigen Portion Skepsis gegenüberstehen. In Tunesien hat sich die Lage zwar weitgehend beruhigt, auch mag es Feriengebiete in Ägypten geben, die nie von der Revolution direkt betroffen waren oder sind. Aber wirklich stabil ist die Situation insbesondere im Urlaubsland Ägypten noch nicht. Sind doch gerade erst bei schweren Ausschreitungen zwischen Muslimen und Christen in der Kairoer Vorstadt Mokattam 13 Menschen getötet worden. Rund zehn Prozent der rund 80 Millionen Ägypter sind koptische Christen, und die leben nicht nur in Kairo. Nicht ausgeschlossen also, dass die religiösen Unruhen auf andere Teile des Landes übergreifen. Und gestern erst wieder kam es auf dem Tahrir-Platz im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt zu einer Schlägerei zwischen Demonstranten und ihren Gegnern. Es gab Verletzte.

Das richtige und entspannende Umfeld für einen schönen Urlaub unter warmer südlicher Sonne ist das wohl eher - noch - nicht. Und die Schnäppchenjäger, die just jetzt zugreifen, sollten sich klarmachen, dass ihr Ägypten-Trip immer noch rasch zu einem gefährlichen und riskanten Abenteuerurlaub werden kann. Günstige Preise hin oder her - sicherer und vernünftiger ist es derzeit, die schönsten Wochen des Jahres andernorts zu verbringen.

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