Kommentar: Gerecht ist das nicht

+
Frank Proese

Gehören Freiwillige zum Musikkorps der Bundeswehr, der heute den feierlichen Rahmen des Großen Zapfenstreichs für Christian Wulff abgeben soll? Wenn ja, dann sollten sie auf dessen Musikwünsche pfeifen und lieber dieser Republik den Marsch blasen.

Denn die will ihnen neuerdings ans Portemonnaie. Unter Berücksichtigung des Gleichheitsgebots und der Steuergerechtigkeit sei eine Steuerfreiheit beim Freiwilligen Wehrdienst nicht gerechtfertigt, heißt es aus dem Hause Schäuble.

Warum die Beamten im Finanzministerium bei der Suche nach mehr Steuergerechtigkeit ausnahmsweise nicht mal bei denen nachgeschaut haben, von denen auch nennenswerte Steuerzahlungen zu erwarten sind, ist zu erahnen. Wahrscheinlich scheuen sie den Aufwand, denn die angesprochene Klientel ist ja juristisch bestens versorgt. Eine Dokumentation im Fernsehen hat das ausgerechnet dieser Tage wieder bestätigt. Unter dem Titel „Schön reich - Steuern zahlen die anderen“ berichtete der RBB von einem Millionär aus Königstein im Taunus. Der schätzt sein Vermögen auf fünf Millionen Euro. Sein letzter Jahressteuerbescheid aber betrug nur 2300 Euro. Dagmar und Jürgen Drawitsch sind Arbeitnehmer und haben drei Söhne. Sie zahlen im Jahr 16.000 Euro Steuern und damit sieben Mal mehr als der Millionär. Auf die einzige Möglichkeit, mit der Erhebung einer Vermögenssteuer auch Immobilienmillionäre an den Kosten der Gesellschaft zu beteiligen, verzichtet Deutschland seit 1996... Noch Fragen zur Steuergerechtigkeit.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare