Gerüchte um Schäuble: Rücktritt noch dieses Jahr?

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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU, l) und sein Sprecher Michael Offer bei der Pressekonferenz zur Bekanntgabe der Ergebnisse der Steuerschätzung unterhalten sich im Bundesministerium der Finanzen in Berlin. Schäuble verließ kurzfristig den Raum, a ls er erfuhr, dass die Journalisten noch keine Unterlagen erhalten hatten.

Berlin - War die "Szene", die Bundesfinanzminister  Schäuble seinem Pressesprecher jüngst vor laufender Kamera machte, einer der letzten großen Auftritte des CDU-Politikers? Nach dem Eklat mehren sich Gerüchte um einen nahenden Rücktritt des Ministers.

Nachdem bei einer Pressekonferenz am Donnerstag Zahlen für die Presse nicht so vorlagen, wie es wohl vorher besprochen war, demütigte Schäuble seinen Pressesprecher Michael Offer öffentlich. Kurz darauf erklärte Offer am Dienstag seinen Rücktritt.

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Spekulationen im Magazin "Stern" verleihen jetzt den Gerüchten um einen Rückzug des wichtigen Ministers im Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel neue Nahrung. Nach dem Wutausbbruch, den sich Wolfgang Schäuble vor der versammelten Presse in Berlin leistete, wird die Frage gestellt, ob der altgediente CDU-Mann sein Ministerium überhaupt noch im Griff hat.

In seiner nächsten Ausgabe, so wird berichtet, widmet der "Stern" dem Thema einen dreiseitigen Beitrag. Demnach werden in dem Bericht Vertraute des Ministers zitiert, die schildern,  Schäuble sei verärgert, weil es finanzpolitisch nicht so laufe, wie er es sich vorstelle. Wetten würden bereits abgeschlossen, wie lange sich der Ressortchef noch im Amt halte.

Die Bundesregierung: Merkel und ihre Minister

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Mit einem möglichen Schäuble-Rücktritt beschäftigt sich auch der renommierte Journalist und Politik-Berater Michael Spreng. In seinem Blog "Sprengsatz" schreibt er unter dem Eintrag "Schäuble - wie lange noch?":

"Für Schäuble ist der Vorfall (die öffentliche Demütigung seines Ex-Pressesprechers; Anm. d. Red.) deshalb so gefährlich, weil er sich vor dem Hintergrund einer ohnehin schon seit Monaten laufenden Rücktrittsdiskussion erreignete. Nicht gesund, nur beschränkt amtsfähig und jetzt auch noch öffentlich unbeherrscht. Das ist ein bisschen viel, was da zusammenkommt – zu viel."

Deutschland aber brauche "einen voll aktionsfähigen Finanzminister, der sich zudem zivilisiert benehmen kann", meint Spreng. Und das könne Schäuble offenbar nicht mehr.

Spreng empfiehlt Schäuble daher, einen Rücktritt ernsthaft in Erwägung zu ziehen. "Der Minister sollte überlegen, ob er nicht doch dem Rat von Freunden und seiner Familie folgt und sich das nicht länger antut. Kein Politiker ist unverzichtbar. Außerdem: er hat noch eine Chefin. Und zu deren Aufgaben gehört auch Personalführung."

Übrigens sei Schäuble nur einer unter vielen Ministern, die durch schlechtes Benehmen aufgefallen sind. Als Paradebeispiel für unhöfliches Verhalten nennt Spreng den früheren SPD-Innenminister Otty Schily, "dessen überlauniges, herrisches Auftreten in Berlin legendär war. Schily aber war so beherrscht, dass er sich immer nur intern, nie aber vor Kameras so übel (und noch übler) aufführte wie Finanzminister Wolfgang Schäuble."

Michael Spreng gilt als Insider für die Hintergründe der Bundes- und Landespolitik. Er war Chefredakteur der "Bild am Sonntag" und des Kölner "Express". 2002 war Spreng Wahlkampfmanager des Unions-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber (CSU) und 2005 des späteren NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU).

Michael Spreng kommentiert die aktuelle Bundespolitik in seinem Blog

www.sprengsatz.de.

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