Grass erhält Rückendeckung aus Kulturszene

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Günther Grass bekommt Rückendeckung.

Berlin - In der Debatte um das Israel-kritische Gedicht von Günter Grass stärkt ein prominenter Kulturmanager dem Schriftsteller den Rücken. Dennoch muss der Literaturnobelpreisträger weiterhin Kritik einstecken.

In der Debatte um das Israel-kritische Gedicht von Günter Grass stärkt ein prominenter Kulturmanager dem Schriftsteller den Rücken. „Man muss ein klares Wort sagen dürfen, ohne als Israel-Feind denunziert zu werden“, sagte der Präsident der Akademie der Künste in Berlin, Klaus Staeck, der „Mitteldeutschen Zeitung“ und fügte hinzu: „Die reflexhaften Verurteilungen als Antisemit finde ich nicht angemessen.“ Der Schriftsteller habe lediglich seiner Sorge über die Situation im Nahen Osten Ausdruck verliehen. „Diese Sorge teilt er mit einer ganzen Menge Menschen“, sagte Staeck.

Der Literaturnobelpreisträger hatte am Mittwoch ein Gedicht zum Atomkonflikt mit dem Iran veröffentlicht. Darin warf er der „Atommacht“ Israel vor, mit der Bedrohung des Landes den Weltfrieden zu gefährden. Er äußerte Zweifel, ob das iranische Regime über eine Atombombe verfügt. Zudem kritisierte Grass die deutsche Haltung in der Frage und prangerte mutmaßliche U-Boot-Lieferungen an Israel an. Grass entfachte mit seinem lyrischen Werk, das den Titel „Was gesagt werden muss“ trägt, eine heftige politische Debatte. Dem Dichter wurde sogar vorgeworfen, ein Antisemit zu sein. Grass selbst wollte sich zu den Anwürfen nicht äußern.

Scharfe Kritik von israelischen Historikern

Der israelische Historiker Tom Segev kritisierte den Dichter am Donnerstag scharf. Er habe den Eindruck, dass Grass vor allem von seinem eigenen langen Schweigen über seine Vergangenheit bei der Waffen-SS getrieben sei, sagte Segev „Spiegel Online“. Zudem verdrehe Grass die Tatsachen. „Der Unterschied ist, dass Israel im Gegensatz zu Iran noch niemals erklärt hat, dass es irgendein Land von der Weltkarte streichen will, während Iran Tag und Nacht verspricht, dass man Israel aus der Welt schaffen will“, sagte Segev in Anspielung auf Aussagen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad.

Der israelische Historiker Moshe Zimmermann sah in dem Gedicht eine „Art von Aufrechnung“. „Man sieht sofort, dass es hier um einen geht, der vor 1945 schon verwickelt war“, sagte Zimmermann im ZDF-„Morgenmagazin“ mit Blick auf Grass' lange verschwiegene Mitgliedschaft in der Waffen-SS. Erkennbar sei dies an den verwendeten Begriffen, wie „Schweigen“ und „Mitschuld“. „Das gehört alles in diese Rubrik: Deutschland vor 1945“, sagte Zimmermann.

Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, bewertete Grass' Gedicht als einseitig. „In dem Text geht die Gefahr ausschließlich von der Atommacht Israel aus“, sagte Mützenich dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Gefahren, denen sich der jüdische Staat gegenübersehe, würden hingegen verschwiegen. Grass verharmlose zudem den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad als Maulhelden. Gegen den Vorwurf des Antisemitismus nahm der SPD-Politiker Grass aber in Schutz.

dapd

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