PID-Gesetzentwürfe

Kommentar: Grenzen ausgedehnt

Just als in Berlin der dritte Gesetzentwurf über eine Anwendung der Präimplantationsdiagnostik (PID) vorgelegt wurde, kam aus Frankreich die Nachricht, dass dort zum ersten Mal ein Designer-Baby geboren worden ist. Von Angelika Dürbaum

Der kleine Junge soll seinem älteren Bruder, der an einer genetisch bedingten tödlichen Bluterkrankung leidet, das Leben retten. Das Nabelschnurblut des einen soll für die Stammzellentherapie des anderen dienen. Solche extremen Fälle wird es hierzulande nicht geben, auch wenn sich der weitreichendste Entwurf bei der für Sommer erwarteten PID-Abstimmung durchsetzen sollte. Zumindest vorerst nicht. Viele treibt aber genau diese Sorge um, was denn noch alles kommen könnte.

Machen wir uns nichts vor. Bei der PID wird immer eine Auswahl über ein Leben, über einen lebenswerten Menschen getroffen. „Rettungsgeschwisterchen“ oder im Reagenzglas gezeugte Kinder mit blauen Augen und blonden Haaren sind der Endpunkt dieser Entwicklung, das Resultat immer weiter ausgedehnter Grenzen.

Es wäre naiv zu glauben, dass wir uns in Deutschland auf lange Sicht gegen diese Entwicklung stemmen können. Vielleicht wird die PID dieses Mal noch verboten bleiben, aber damit ist das Thema nicht ein für alle Mal vom Tisch. Schon Anfang der 1990er Jahre glaubte man mit dem Embryonenschutzgesetz den Stein der Weisen gefunden zu haben. Keine 20 Jahre später ist es Makulatur.

Letztlich geht es um die Angst vor Experimenten des Menschen mit dem Menschen. Eine Diskussion, wie weit wissenschaftliche Forschung gehen darf, ist überfällig. Die sollten wir nicht nur den Forschern und den Politikern in Berlin überlassen.

Rubriklistenbild: © op-online.de

Kommentare