Aber auch überraschendes Lob

Dieter Nuhr attackiert Greta Thunberg schon wieder - und warnt vor „Krieg“

Nur versöhnlich kann Dieter Nuhr auch zu Weihnachten nicht: Der Kabarettist hat erneut Klimaaktivistin Greta Thunberg attackiert. Zugleich stellte er eine düstere Prognose - und das sehr ernsthaft.

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  • Immer wieder hat Kabarettist Dieter Nuhr 2019 Kritik an Greta Thunberg geübt.
  • Auch in seinem Jahresrückblick in der ARD konnte sich Nuhr nicht zurückhalten.
  • Zugleich stellte der TV-Spaßmacher eine ernst gemeinte düstere Prognose - offenbar zum Gefallen einer CDU-Ministerin.

München - Nüchtern betrachtet ist der Fall eigentlich nicht allzu komplex: Eine junge Frau hat ein politisches Anliegen, engagiert sich - und hebt das Thema auf die ganz große politische Bühne. So knapp lässt sich das Handeln beschreiben, mit dem die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg im Jahr 2019 über weite Strecken die Schlagzeilen dominierte.

Greta Thunberg: Nuhr überrascht in ARD mit Auszeichnung - und attackiert sie doch

Hinter diesem simplen Fakt wird es aber komplizierter. Denn Thunberg polarisiert. Bisweilen mehr als ihre politischen Forderungen: Kleine Randgeschichten - wie eine ICE-Fahrt durch Deutschland - erhitzen tagelang die Gemüter. Thunbergs Äußerungen geraten in besonderem Maße zum Ziel von Spott und Zorn. Und diese Vorwürfe wiederum oft zu einem gefühlten Skandal.

Eine besondere Rolle in dieser Eskalationsspirale hat zumindest in Deutschland Dieter Nuhr gespielt. Am Donnerstag hat der Spaßmacher seinen Jahresrückblick im Ersten zu Gehör gebracht. Und natürlich nachgelegt. Offenbar zum Wohlgefallen von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

Greta Thunberg: Dieter Nuhr sieht sich (auch) als Opfer

Dabei stellte sich Nuhr vor dem Hintergrund der Greta-Debatte auch selbst als Opfer dar: Manch einer habe ihn 2019 geradezu für die Verkörperung der dunklen Seite gehalten, sagte er spöttelnd bis klagend. „Digitale Pogromstimmung, überall Hass“, attestierte er zudem den sozialen Netzwerken. Thunberg sei - „ohne Ironie“ - nicht nur für das „Time Magazine“, sondern auch für ihn die Person des Jahres gewesen. Dann wurde Nuhr ernst: „Ich finde gut, und das habe ich immer so gesagt, dass ihr Thema jetzt endlich die Öffentlichkeit bekommt, die es verdient. Der Klimawandel ist das Problem der nächsten Jahre und Jahrzehnte“, erklärte er in seiner ARD-Sendung.

Greta Thunberg: Nuhr attackiert ihre Eltern mit biblischem Vergleich

Bei einer simplen Friedenserklärung wollte es Nuhr in seinem wohl größten TV-Auftritt des Jahres aber wohl auch nicht belassen. Er feuerte in der Folge eine ganze Kanonade von Spötteleien ab. Vor allem eine seiner Ansicht nach übertriebene Verehrung für die junge Aktivistin prangerte er witzelnd an. (Indes sprang ein bekannter ARD-Moderator Thunberg aber bei. Auch nordbuzz.de* berichtet über die Stellungnahme von Jörg Pilawa zu Greta Thunberg.)

„Unsere Kinder glauben an Greta. Und tragen ihr Antlitz auf Pappe gemalt durch die Straßen“, sagte Nuhr. „Das arme Mädchen. Gleich mehrere Bischöfe verglichen sie im Sommer mit Jesus. Aber sie lief nicht übers Wasser, sie brauchte ein Segelboot“, sagte Nuhr etwa. Er übte Kritik an Thunbergs Umfeld: „Mir tut Greta leid, und ich habe mich teilweise auch gefragt, wie Eltern es zulassen können, dass ihr Kind derartig in die Mühlen der Zeitgeschichte gerät. Aber die Eltern haben wahrscheinlich Besseres zu tun: Sie sonnen sich in ihrer Rolle als Maria und Josef“.

Greta Thunberg „ist nicht der Messias“: Nuhr übt Kritik - und stellt düstere Prognose

Nuhr fasste seine Botschaft in einem Satz zusammen. „Sie ist nicht der Messias.“ Denn: „Das ist Jürgen Klopp. Ich bin der festen Überzeugung, dieser Mann könnte auch den Klimawandel aufhalten, aber er hat noch Vertrag in Liverpool.“

Thunberg selbst attackierte der Comedian eigentlich nur an einer Stelle. Die Aussage der jungen Aktivistin in ihrer viel zitierten „how dare you“-Rede vor den Vereinten Nationen, man habe ihr „ihre Kindheit gestohlen“ wollte er offenkundig nicht so stehen lassen: Nachvollziehbarer wäre für ihn dieser Vorwurf gewesen, hätte ihn ein „Neunjähriger, der in Bolivien in einer Wolfram-Mine arbeitet“ geäußert.

Auch inhaltlich äußerte sich Nuhr. Er höre wie Thunberg auf die Wissenschaften - allerdings auch auf Wirtschafts- und Geschichtswissenschaften. „Wenn wir das tun, was unsere Klima-Aktivisten fordern, nämlich nicht weniger als die Abschaffung des globalisierten Welthandels, dann wird die Weltwirtschaft in eine Krise fallen, die Milliarden Menschen zurückwirft in die Armut. Und das werden die sich nicht gefallen lassen.“ Es werde Kriege um Ressourcen und Nutzungsrechte geben, prophezeite Nuhr. 

Offen blieb gleichwohl die Frage, inwieweit die Bewohner ärmerer Ländern derzeit von den Ressourcen ihrer Länder profitieren. Und auch ein deutscher Wirtschaftsriese hatte zuletzt „schmerzhafte“ Reaktionen auf den Klimawandel gefordert.

Dieter Nuhr (ARD): Wie human ist die Debatten-Kultur - Kritik auch bei „Maischberger“

Für 2020 bleibt abzuwarten, wie menschlich Kontrahenten - egal welchen Alters - in hitzigen politischen Debatten miteinander umgehen. Nuhr lieferte zumindest kurz vor Weihnachten keinen neuen Anlass für Kritik in dieser Hinsicht. Im Gegensatz zu einigen Politikern.

Der einzige Thunberg-Kritiker ist Nuhr freilich ohnehin nicht. Auch in Sandra Maischbergers ZDF-Talk am Mittwoch erhob ein Gast schwere Vorwürfe. Und auch Greta Thunberg selbst stand kürzlich wegen einer drastischen Ankündigung in der Kritik. Die 16-Jährige entschuldigte sich später - und verwies auf Sprachprobleme.

Eine Traunsteiner Schule verweigert drei Schülern die Teilnahme an einer Klassenfahrt nach Berlin. Sie hatten an einer „Fridays For Future“-Demo teilgenommen.

Jetzt leistete sich der WDR einen Faux Pas: Der auf Klimaschutz umgedichtete Text für den WDR-Kinderchor bescherte dem Sender einen echten Shitstorm.  Jetzt schoss ein AfD-Mann deftig gegen Greta Thunberg, obwohl er eigentlich jemand anderen mit seiner Kritik treffen wollte.Die Klimaaktivisten von Fridays for Future haben im vergangenen Jahr viel erreicht. Ein Tweet vor Weihnachten sorgte jedoch für einen riesigen Sturm der Entrüstung  -  und auch Greta Thunberg schnitt in einem Posting über Weihnachten ein heikles Thema an.

*Merkur.de und nordbuzz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

fn

Rubriklistenbild: © Screenshot: ARD-Mediathek

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