Gentests an Embryonen?

Kommentar: Großes Leid abwenden

Selten nur in der Vergangenheit war der Begriff der Gewissensfrage so zutreffend, selten nur die Aufhebung des Fraktionszwangs und damit die persönliche Freiheit der Entscheidung so angebracht. Von Manfred Brackelmann

Wenn der Bundestag Anfang 2011 über ein Verbot oder die begrenzte Zulassung von Gentests an Embryonen entscheidet, ist jeder Abgeordnete nur sich selbst verpflichtet. Die Tragweite der Entscheidung aber reicht weit darüber hinaus.

Dabei zeugt der jetzt von einer Reihe von Abgeordneten um den Christdemokraten Peter Hintze eingebrachte Gesetzesantrag von intensiver Auseinandersetzung ebenso wie von Verantwortungsbewusstsein. Gentests in einem so eng wie möglich abgesteckten Bereich von Ausnahmen, um größeres Leid von mehr Beteiligten abzuwenden - wenn es in dieser seit jeher heiklen Abwägungsfrage überhaupt eine ethisch begründete Zielsetzung geben kann, dann vielleicht diese. Denn die Initiatoren lenken den Blick auf ein zentrales Motiv, das so oft hinter dem Wunsch auf einen solchen Gentest steht: menschliche Not.

Da ist die gemeinsame Not von Paaren, die in der Präimplantationsdiagnostik oft die letzte Möglichkeit sehen, sich trotz absehbarer Risiken den Wunsch nach einem Kind zu erfüllen. Und da ist in eben dieser Situation die besondere Not von Frauen, die sich im Zweifelsfall auf eine Schwangerschaft mit dem Risiko einer Fehl- oder Totgeburt einlassen oder denen sogar die enorm belastende Möglichkeit einer Spätabtreibung offen stünde – im Gegensatz zur PID. Sie mit dieser Not allein zu lassen, wäre zutiefst inhuman.

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