Großes Unbehagen

Josef Fritzl wird nie mehr in Freiheit kommen. Das ist - angesichts des ungeheuren Leids, das er seiner Familie jahrzehntelang angetan hat - eine Strafe, die man als angemessen bezeichnen muss. Denn der Begriff Gerechtigkeit versagt angesichts der Dimension des Unrechts, das in Fritzls Keller in Amstetten geschah.

Aber nicht nur deswegen bleibt nach dem gestrigen Urteil ein großes Unbehagen. Zu viele Fragen sind ungeklärt: Wie konnte Fritzl unbemerkt seinen unterirdischen Kerker ausbauen? Wie konnten die Behörden immer wieder die Geschichte von den abgelegten Babys vor Fritzls Haustür glauben? Vor allem aber: Wie konnte sich dieser unscheinbare Mann in so schrecklicher Weise an seiner Familie vergehen?

Die Charakterisierung als Monster hilft ja nicht weiter, sie ist vielmehr Ausdruck unserer Hilflosigkeit. Denn Fritzl ist ein Mensch aus Fleisch und Blut, ein Biedermann, ein scheinbar unbescholtener Nachbar. Deshalb bleibt - wie bei Amokläufen an Schulen oder toten Babys in Blumentöpfen - neben allerlei richtigen Erklärungsansätzen vor allem eines: Ratlosigkeit.

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