Guttenberg als Ordensritter ausgezeichnet

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Karnevalisten stehen am Samstag bei der Verleihung des Ordens "Wider den tierischen Ernst" in Aachen auf der Bühne neben einer Puppe, die Verteidigungsminister zu Guttenberg darstellt.

Aachen - Während Karl-Theodor zu Guttenberg wegen der Plagiatsaffäre zunehmend unter Druck gerät, hat er am Samstag den Karnevalsorden wider den tierischen Ernst erhalten.

 Der Aachener Karnevalsverein (AKV) würdigte den Bundesverteidigungsminister als Überflieger mit Bodenhaftung: Der Minister habe Mut zum Widerspruch und zum “akrobatischen Querdenken“.

Der Geehrte war jedoch nicht persönlich gekommen, sondern hatte stellvertretend seinen jüngeren Bruder Philipp zur Festsitzung geschickt. Die ARD strahlt die Aufzeichnung an diesem Montag (21. Februar) um 20.15 Uhr aus. Philipp zu Guttenberg kommentierte die ihm aufgedrängte Bruderpflicht mit feiner Ironie. In seiner Ersatz-Ritterrede plauderte er über den großen Bruder, dem “Hochglanzpolitiker“, “Deutschlands beliebtester Tiefstapler“, sturmerprobt, aber die Frisur sitzt - immer: “Das krause Haar bleibt stets gegelt“. Aber er steht zum Bruder: “Die Doktorarbeit wär verlogen, hört mans links von mir laut toben. Als hätt' das Land nicht andere Sorgen.“

Der AKV verleiht den Orden für Humor und Menschlichkeit im Amt. Der frühere nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers bescheinigte zu Guttenberg Steherqualitäten in stürmischen Zeiten. “Kurs halten und dabei nicht tierisch ernst sein, das kann er“, sagte der Vorjahresritter in seiner Laudatio.

Der Bundesverteidigungsminister steht wegen seiner Doktorarbeit zunehmend unter Druck. Er soll bei anderen Autoren abgeschrieben haben, ohne das zu kennzeichnen. Bis zur Klärung lässt er seinen Titel ruhen. Seine Teilnahme in Aachen hatte er schon während der Bundeswehraffären abgesagt - angeblich wegen der Lage in Afghanistan. Kurz vor der Ordensverleihung holte den Minister diese Wirklichkeit ein: Am Freitag starben in Afghanistan bei einem Angriff drei deutsche Soldaten.

Während die Festgäste im feinen Zwirn eintrafen, protestierten Friedensgruppen vor der Festhalle mit Holzkreuzen als Symbol für die Toten gegen die Verleihung. Die Auszeichnung sei eine Beleidigung der Opfer am Kundus.

dpa

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