Der Hahn und sein Preis

CDU/FDP-Koalition steht: Es gibt Leute, die lächeln sich im Badezimmerspiegel an, um gute Laune zu bekommen. Jörg-Uwe Hahn, Chef der hessischen Liberalen, konnte sich das gestern sparen. Bisher kam der 52-jährige Schnauzbart eher etwas konturlos rüber.

Ein Politiker mit begrenztem Charisma, dem wegen seiner Vasallentreue zu Roland Koch sogar Liberale rieten, nicht zu vergessen, an welche Partei er seine Mitgliedsbeiträge zahle. Doch nie wankte der Hahn in seinem Bekenntnis zu Schwarz-Gelb. Jetzt nannte er den Preis seiner Treue.

Drei Ministerien gibt es für die Gelben - und was für welche! Kultus: Wegen der wichtigen Schulpolitik warten hier der Scheiterhaufen, aber auch Ruhm und Ehre. Wirtschaft: Die Finanzkrise bietet ein Podium für großes Kino. Justiz und Integration: Idealer Exerzierplatz für die eigenen Gesellschaftskonzepte. Dafür darf ein geschwächter Ministerpräsident weitermachen.

Die Aktion kostet die CDU populäre Gesichter. Jürgen Banzer, sogar von der Opposition wegen seiner Schulpolitik respektiert, wird sein Amt los. Alois Rhiel, Robin Hood der Verbraucher, strebt zurück in die Wirtschaft. Europaminister Volker Hoff war wegen der ungeklärten Verstrickungen in den Aegis-Untreueskandal wohl ohnehin nicht mehr zu halten. Und der Boss selbst? Bisher eilte Roland Koch der Ruf voraus, er habe wie eine Katze sieben Leben. Doch seit kurzem heißt es in der CDU, die Erneuerung müsse demnächst und nicht erst nach fünf Jahren beginnen. Sie meinen ihn. Denn bliebe Koch über die volle Spielzeit, wäre er bei der nächsten Landtagswahl Ende 2013 fast 15 Jahre im Amt. Helmut Kohl war 1998 nach 16 Jahren eher verblichen als abgewählt worden. Das will hier niemand nochmal erleben.

Koch wird bleiben - zumindest zunächst. Das Wahl ergebnis vom 18. Januar wird ihn nicht ruhen lassen. Die 37,2 Prozent sind für den Strebsamen eine persönliche Schmähung. Es wird spannend sein zu beobachten, inwieweit die Bundestagswahl im Herbst bei Koch als Katalysator wirkt. Finanzminister, Wirtschaftsminister oder CDU-„General“? Endet die große Koalition in Berlin zugunsten von Schwarz-Gelb, gäbe es an der Spree Arbeit für den Hessen-Fürsten. Gleichzeitig ist Koch kein Schönwetter-Matrose. Der Mann hasst es, sich „davonzumachen“, wenn´s mal nicht so läuft.

Das jetzt vorgestellte CDU/FDP-Programm überrascht nicht. Ein bisschen neuer Lack bei Schule und Kleinkind, das ist bundesweit Standard. Ähnliches gilt für Umwelt, Polizei und Soziales. Hier soll nicht zuletzt als Reaktion auf die SPD-Erfolge von vor einem Jahr diskret umgesteuert werden. Die alte Energiepolitik bekommt eine komfortable Restlaufzeit. Allenfalls das Schuldenverbot könnte spannend werden. Es stammt übrigens von der FDP. Eine neue Politik in Hessen wird sich, sollte es sie denn geben, an deren Ministern auskristallisieren. Die Liberalen scharren mit den Füßen und treten jetzt schon auf, als lebten sie seit Wochen ausschließlich von Espresso und Kokain. Hessen sucht den Superstar. Koch wird kämpfen müssen. Vielleicht hilft ein Lächeln in den Badezimmerspiegel.

(Michael Eschenauer)

michael.eschenauer@op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare