Harte Zeiten für Tagesmütter

Kommentar: Zu viel Druck im Kessel

Kinder sind unsere Zukunft. Derlei Sprüche sind in politischen Sonntags- und Wahlkampfreden oft zu hören. Die Realität sieht freilich anders aus. Man gewinnt zunehmend den Eindruck, dass die Rahmenbedingungen für eine kinderfreundliche Gesellschaft immer schlechter werden. Von Christoph Zöllner

Berufsgruppen, die sich eigentlich um das Wohl des Nachwuchses kümmern sollen, verlieren an Rückhalt und kämpfen um ihre Existenz. Da droht Hebammen das Aus, weil sie ihre Versicherungen nicht mehr bezahlen können. Da geben Tagesmütter auf, weil ihre Einnahmen beschnitten worden sind. Vom geplanten Gebührenanstieg im Kreis Offenbach profitieren sie jedenfalls nicht. Und von den zehn Euro mehr beim Essen dürfte nach Abzug von Steuer und Sozialversicherung nicht mehr viel übrig bleiben. Schon jetzt klagen die Vermittlungsstellen darüber, dass immer mehr Tagesmütter aufgeben und keine neuen mehr nachrücken. Dabei ist der Bedarf riesig, die Wartelisten sind oft lang.

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„Wer Kinder will, braucht ein entspanntes Umfeld“, meint Monika Maier-Luchmann, Geschäftsführerin vom Elternservice im Langener Mütterzentrum. Dabei sei im System einfach zu viel Druck. Eltern stehen als Arbeitnehmer Existenzängste aus, die Pflegerinnen werden von den Behörden an die Kandarre genommen, und die Kommunen müssen sparen. Dabei ist jeder Platz in der Kindertagespflege nicht nur ein Gewinn für die Betreuungsvielfalt, sondern auch für die Kommunen, die für den Bau und die Unterhaltung von Kindertagesstätten Unsummen zahlen müssen. Das Argument für den Gebührendreh ist beim schutzschirmgeplagten Kreis Offenbach dasselbe, wie es die Städte und Gemeinden bei den Kitagebühren benutzen: Druck der Kommunalaufsicht. Zahlen sollen es jene, die sich für eine Zukunft mit Kindern entschieden haben: die Eltern. Viele werden noch genauer abwägen müssen, ob sie sich eine Tagesmutter leisten können. Das ist vor allem davon abhängig, ob jemand in Mainhausen, Langen oder Dietzenbach lebt und in welchem Verhältnis die dortigen Kitagebühren zu den im Kreis einheitlichen Tagespflegebeträgen stehen. Von Wahlfreiheit bei der Kinderbetreuung kann also mancherorts nur noch bedingt die Rede sein.

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