Kommentar: Not ist hausgemacht

Rund zehn Tage liegt der Zeitpunkt zurück, da in Russland eine Reihe von Torf- oder Waldbränden zu wüten begann, die sich bis heute zu einer Katastrophe ausgeweitet haben. Von Manfred Brackelmann

Zehn Tage, an denen sich die westliche Welt in einer Mischung aus medial geschürtem Interesse und Freude über die sichere Entfernung fragte, was man denn hierzulande damit zu tun haben könnte. Bis gestern: Als Folge der Feuer und der schweren Dürre hat Russland den Export von Weizen gestoppt - als einer der führenden Lieferanten weltweit und daher mit absehbar turbulenten Folgen für den Weltmarkt.

So sind Teile der westlichen Welt sehr wohl von dem betroffen, was Russlands Führung so gern pflegt: ignorante Abschottung nach außen, so lange es nur geht – die fast beleidigte Ablehnung internationaler Hilfsangebote nicht zuletzt aus Deutschland eingeschlossen.

Es ist diese fatale Mischung aus Selbstüberschätzung und falschem Stolz, mit der die vermeintliche Weltmacht sich jeder Offenheit verweigert. Das war so, als vor Jahr und Tag das Unglück um den Untergang eines Atom-U-Bootes namens Kursk die Welt erschütterte, die russische Führung aber schwieg – über Tote, mögliche Ursachen und besonders über mögliche Folgen.

Schutz der Wälder dezentralisiert

Das ist auch jetzt so - in einem Moment, da die Ursachen für eine nicht mehr allein Russland betreffende Katastrophe erkennbar hausgemacht sind. Seit 2006 ist der Schutz der riesigen russischen Forsten dezentralisiert - allein aus wirtschaftlichen Zwecken. Mit der ihm eigenen Überheblichkeit entließ der damalige Präsident Putin mit einem Schlag auch ein Heer von mehreren zehntausend Waldhütern, die jeden noch so kleinen Brand sofort gemeldet hätten - schon aus Angst, ihre Existenz zu verlieren.

Die Brandbekämpfung sollen wegen fehlender professioneller Einheiten jetzt Soldaten übernehmen: unerfahren, unterbezahlt, mit lächerlichem Werkzeug und damit zum Scheitern verdammt.

So ist diese Katastrophe auch die Folge einer Politik, die nicht wahrhaben will, dass Russland auf vielen Ebenen eher Entwicklungsland ist. Eine Form von Borniertheit, die sich heute bitter rächt.

Rubriklistenbild: © op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare