Nicht so einfach umzusetzen

Kommentar zu den IG-Metall-Forderungen

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Marc Kuhn

In der Metallbranche boomt es. Die Auftragsbücher sind voll, die Umsätze steigen, es herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Vor diesem Hintergrund sind die Forderungen der IG Metall nach einem kräftigen Schluck aus der Pulle durchaus nachvollziehbar. Von Marc Kuhn

Sechs Prozent mehr Lohn – für viele Unternehmen ein realisierbares Ansinnen. Aber eben nicht für alle. Deshalb sollte sich die Gewerkschaft nach einem Abschluss der Gespräche nicht über eine weitere Tarifflucht von Betrieben wundern.

Doch damit nicht genug: Die IG Metall will ein gesellschaftliches Zeichen setzen. Sie will die Reduzierung der Arbeitszeit auf 28 Wochenstunden. Bestimmte Gruppen wie Schichtarbeiter, pflegende Angehörige oder Eltern junger Kinder sollen einen Teilausgleich für entgangenen Lohn erhalten. Damit peilen die Arbeitnehmervertreter einen Meilenstein wie 1984 an. Damals wollten sie weg von der 40- und hin zur 35-Stunden-Woche. Das traf den Nerv der Zeit.

Ähnlich sieht es mit den aktuellen Forderungen aus. Sie stoßen bei jungen Familien und bei Älteren, die Angehörige pflegen, sicher auf Sympathie. „Mehr Zeit zum Leben“ lautet das Motto. Ziel ist die viel gerühmte „Work-Life-Balance“ der Arbeitnehmer: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ließe sich so einfacher gestalten. Ein nachvollziehbarer Wunsch – in Zeiten des schon grassierenden Fachkräftemangels aber nicht für alle Firmen einfach umzusetzen.

Bilder: Siemens-Mitarbeiter demonstrieren

So besteht zum Beispiel die Gefahr, dass eine 28-Stunden-Woche so manches Unternehmen in Bedrängnis bringen würde. Ganz zu schweigen von Wettbewerbsvorteilen der Metallbranche, die in konjunkturell schwierigeren Zeiten schnell weg sein könnten. Wie damals bei der 35-Stunden-Woche droht deshalb ein langer Tarifkonflikt. Die Arbeitgeber werden hart bleiben – nicht zuletzt, weil eine so starke Arbeitszeitverkürzung auch in anderen Sektoren der Wirtschaft Begehrlichkeiten wecken würde.

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