Jeder Vierte vermisst die FDP

Ja, was denn nun?

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Siegfried J. Michel

Ach, das waren noch Zeiten, als der damalige FDP-Chef Westerwelle, der dann Vizekanzler und Außenminister wurde, nach der Bundestagswahl 2009 mit voll Stolz aufgeblähter Brust auf satte 14,6 Prozent der Wählerstimmen blicken konnte. Von Siegfried J. Michel

Wie wir alle wissen: Aus, vorbei der Traum. In geradezu affenartigem Tempo machten sich die Liberalen in der vergangenen Legislaturperiode durch ihr Verhalten beim Wähler unbeliebt. Unsinniges Festhalten an überholten und unerfüllbaren politischen Forderungen, Klientelpolitik oder die Versorgung von Parteifreunden mit üppig dotierten Posten in Ministerien - die Fettfässchen-Liste der Freidemokraten ist lang, sehr lang.

Die Quittung kam prompt: Über viele Monate dümpelte die FDP zwischen drei und fünf Prozent, trotz Personalumbau. Und bei der vergangenen Bundestagswahl flog die Partei dann mit nur noch 4,8 Prozent hochkant aus dem Bundestag.

Überraschend nun das Ergebnis einer Umfrage: Nur wenige Monate nach dem Urnengang bedauert jeder vierte Bürger inzwischen (26 Prozent), dass die FDP nicht mehr im Bundestag ist. Also doch das Kreuzerl an der falschen Stelle gemacht? Sehnsucht nach Guido, Philipp (Rösler) und Rainer (Brüderle)? Alles blöd jetzt mit der Großen Koalition?

Offensichtlich doch nicht: Denn die Umfrage ergab auch, dass bei allem Bedauern über das parlamentarische Ableben der Liberalen in Berlin die Partei nicht aus ihrem Tal der Jammers kommt. Schlimmer noch: Nur vier Prozent würden derzeit der FDP ihre Stimme geben. So lässt uns die Forsa-Studie mit ihrem Blick in die Seelen des Wahlvolkes ein wenig verwirrt zurück. Denn es stellt sich die Frage: Ja, liebe Bürger, was wollt Ihr denn nun?

Bilder vom FDP-Sonderparteitag

Schonungslos und emotional - Bilder vom FDP-Sonderparteitag

Klar aber dürfte eines sein: Vor der Partei und ihrem neuen Vorsitzenden Christian Lindner liegt noch ein weiter, weiter und sehr beschwerlicher Weg, bis sie den Wähler davon überzeugt haben, dass die FDP wieder im Bundestag sitzen sollte.

siegfried.michel@op-online.de

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