Experten warnen vor Risiken

Jugendliche zu viel im Internet

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Hanau/Berlin - Mehr als 16 Stunden pro Woche verbringen Jungs im Schnitt vor dem Computer. Experten sind alarmiert. Sie warnen anlässlich des heutigen „Safer Internet Day“ vor übermäßigem Surfen. Von Lena Marie Jörger 

Morgens vor der Schule schnell die neuesten Meldungen in sozialen Netzwerken durchlesen, mittags mit der Freundin chatten und dann noch ein paar Stunden am Computer spielen – für viele Jugendliche Alltag. Aber wie viel Internetkonsum ist normal? Eine Frage, mit der Gerhard Hamp-Gunkelmann von der Ambulanten Suchthilfe des Diakonischen Werks Hanau immer häufiger konfrontiert wird. „Viele Eltern haben Gesprächsbedarf in Sachen Internetnutzung und wenden sich an uns, wenn sie sich Sorgen um ihre Kinder machen.“ Häufig beobachteten sie, dass sich Schulnoten verschlechterten und das Kind weniger soziale Kontakte suche. „Wir versuchen dann in einem ersten Gespräch herauszufinden, ob das Kind wirklich suchtgefährdet oder süchtig ist“, erklärt Hamp-Gunkelmann.

Laut einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) verbringen zwölf- bis 17-jährige Jungen im Durchschnitt mehr als 16 Stunden pro Woche mit Computerspielen und Internetangeboten. Bei den gleichaltrigen Mädchen sind es knapp elf Stunden. „Bei etwa 3,2 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen in Deutschland kann derzeit von einer exzessiven Nutzung von Internetangeboten und Computerspielen ausgegangen werden“, sagt BZgA-Direktorin Elisabeth Pott. Daraus könnten massive persönliche Probleme und Belastungen entstehen.

Auch Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, warnt vor den Risiken, die das Surfen vor allem für Jugendliche birgt. Wer extrem lange und zu oft im Netz sei, könne „die Kontrolle über den eigenen Internetgebrauch verlieren“, erklärte Mortler (CSU) . Die Medieninitiative „Schau hin!“ rät Eltern anlässlich des heutigen „Safer Internet Day“, mit ihren Kindern geeignete Chaträume auszuwählen und den Nachwuchs über Risiken aufzuklären. „Es ist wichtig, dass Eltern die Übersicht behalten, welche Communities ihr Kind nutzt und mit wem es sich austauscht“, erklärte Medienexpertin Kristin Langer. „Zudem sollten sie versuchen, mit ihren Schützlingen im Gespräch zu bleiben“, sagt Suchttherapeut Hamp-Gunkelmann.

20 Tipps: Sicher surfen und telefonieren

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Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) kündigte eine Gesamtstrategie zum Schutz von Kindern vor Gefahren im Internet an. Diese solle über das „Kinderschutzzentrum I-KiZ“ (http://www.i-kiz.de) umgesetzt werden. Bund und Länder seien gemeinsam gefordert, durch Gesetze ein gutes und dauerhaftes Schutzniveau herzustellen. Der „Safer Internet Day“ ist ein Aktionstag, der das Thema Datenschutz ins Bewusstsein der Verbraucher bringen soll.

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