Westerwelles Maulwurf

Kommentar: Jung, aufstrebend

Erst kein Glück, nun auch noch Pech: Dem seit der Bundestagswahl arg gebeutelten FDP-Chef Westerwelle ergeht es wie dem Fußballer im Abstiegskampf. Selbst wer sich ganz unten wähnt, kann immer noch tiefer fallen. Von Martin Krigar

So in dieser Woche. Nicht genug, dass die US-Botschaft den deutschen Außenminister weltweit zugänglich mit einem vernichtenden Zeugnis ausstattet („muss seinen Job noch lernen“). Der FPD-Chef muss nun auch noch schier ohnmächtig zusehen, wie in seinem direkten Umfeld ein mitteilungsfreudiger Maulwurf enttarnt wird. Der eigene Büroleiter als heimlicher Zuträger für die US-Botschaft, ausgerechnet! Das fällt auf den Chef zurück.

Guido Westerwelle wird nicht zurücktreten, zumindest nicht sofort. Strafrechtlich ist der politische Verrat von Koalitionsgesprächen wohl kaum relevant. Ein Büroleiter hat eher drittrangige Bedeutung. Und ein Teil des Außenministerjobs ist im Sinne der US-Botschaft vielleicht erlernbar. Allerdings gerät mit der Zeit das ganze Politiksystem Westerwelle immer stärker ins Wanken.

Als die US-Botschaft selbst ihren Maulwurf (noch anonym) als „jungen, aufstrebenden FDP-Mitarbeiter“ beschrieb, hatten Beobachter der politischen Szene sofort ein klares Bild. „Jung, aufstrebend“ war einmal eine positive Beschreibung für eine neue Westerwelle-FDP. So positiv wird das schon seit längerem nicht mehr gesehen.

Westerwelles (nun Ex-)Büroleiter Helmut Metzner ist möglicherweise ein gutes Indiz – jedenfalls wenn wir seinem gestern noch zugänglichen Internet-Blog glauben. Dort überhöhte er ziemlich peinlich seine FDP-Begeisterung zu Teenagerzeiten („Die Idee der Freiheit erhellte meinen Geist wie das Licht der Aufklärung“). Dort zitierte er fröhlich ein seit gestern besonders passendes Zeitungsporträt („In der Welt der Nachrichtenführer wäre er vermutlich ein kleiner Agentenführer.“) Dort gab er in aller Bescheidenheit auch gleich ein Lebensziel aus: „Jeder kann US-Präsident werden – Metzner for President.“

Als ob Politik nur ein lustiges Spielchen wäre, in dem man alles mal ausprobieren darf, selbst das Quatschen in einer US-Botschaft (wo demnächst ja ohnehin der neue Präsident M. zu herrschen gedenkt...)

Westerwelle hat so ein lustiges, oft sachfremdes Politik leben in seiner jungen, aufstrebenden Guidomobil-Periode vorgelebt. Inzwischen holt ihn das alles ziemlich gnadenlos ein.

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