Politikergattin gesteht Mord

Gu Kailai: Todesstrafe mit Gnadenfrist

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Gu Kailai soll den Mord gestanden haben.

Hefei - Gu Kailai, Ehefrau des ehemaligen chinesischen Spitzenfunktionärs Bo Xilai, ist wegen Mordes zu einer bedingten Todesstrafe verurteilt worden. Doch was bedeutet das für die Politikergattin?

Eine bedingte Todesstrafe wird gewöhnlich nach zwei Jahren in eine lebenslage Haftstrafe oder eine Gefängnisstrafe von bis zu 25 Jahren umgewandelt - sofern sich die 53-Jährige nichts zuschulden kommen lässt. Nach einem Bericht der Zeitung Yanzhao Metropolis Daily von 2006 wird eine Todesstrafe, deren Vollstreckung ausgesetzt ist, äußerst selten vollzogen. Stattdessen verbringen die Verurteilten im Durchschnitt 18 Jahre im Gefängnis.

Gu Kailai, die Frau des entmachteten Spitzenpolitikers Bo Xilai, hatte den Mord an dem britischen Geschäftsmann Neil Heywood gestanden. In der nur sieben Stunden dauernden Verhandlung gab sie zu, Heywood vergiftet zu haben. Gu Kailai akzeptierte ihre Strafe mit den Worten: „Ich halte das Urteil für gerecht.“ Damit verzichtet die 53-Jährige auf einen Einspruch. Ein als Komplize mitbeschuldigter Hausangestellter wurde zu neun Jahren Gefängnis verurteilt.

Letzte Worte aus der Todeszelle

Letzte Worte aus der Todeszelle

He Zhengsheng, Anwalt der Familie des ermordeten Heywood, erklärte, er müsse das Urteil mit Heywoods Familie besprechen und wisse nicht, ob diese in Berufung gehen werde. „Wir respektieren das Urteil des Gerichts heute. Danke für Ihr Interesse.“

Gu soll Heywood laut Staatsanwaltschaft im November in ein Hotel gelockt und mit ihm Wein getrunken haben. Als Heywood betrunken war, habe ihm Gu Gift eingeflößt, das der Hausangestellte Zhang Xiaojun ihr gereicht habe. Hintergrund ist nach offizieller Darstellung, dass Gu mit Heywood über Geld stritt und um die Sicherheit ihres Sohnes fürchtete. Die Familie Bo und Heywood unterhielten enge Beziehungen.

Großbritannien begrüßte das Urteil

Die britische Botschaft, deren Konsularvertreter dem Prozess beiwohnten, begrüßte das Urteil. In einer Erklärung hieß es, Großbritannien habe China gemahnt, dass die Verfahren den internationalen Menschenrechtsrichtlinien entsprechen müssten und die Todesstrafe nicht verhängt werden solle.

Analysten zufolge dürfte die chinesische Regierung so entschieden haben, weil bei Verhängung der Todesstrafe ein Sturm der Entrüstung gedroht hätte oder Gu als Sündenbock für die Verfehlungen ihres Mannes gesehen worden wäre. Cheng Li von der Brookings Institution in Washington sagte, das Urteil sei gerecht. Seine Einschätzung dürfte auch von der Mehrheit der chinesischen Bevölkerung und Juristen geteilt werden, erklärte er.

Einige Ungereimtheiten im Prozess

Der Prozess erregte internationale Aufmerksamkeit, weil Bo lange als aussichtsreicher Kandidat für höchste Aufgaben in der führenden Kommunistischen Partei galt. Ob Bo in den Mordfall verwickelt war, bleibt offen. Im März verlor er seine Parteiämter. Als Parteichef der Millionenstadt Chongqing war Bo mit seinem Durchgreifen gegen das organisierte Verbrechen landesweit populär geworden, was offensichtlich nicht überall auf Gegenliebe stieß.

In Chinas spektakulärsten Prozess der letzten Jahrzehnte hatte es einige Ungereimtheiten gegeben. Einige Beobachter zweifeln das Mordmotiv Gu Kailais an. Neil Heywood soll nach geschäftlichen Streitigkeiten Drohungen gegen Gu Kailais Sohn ausgestoßen haben, sie habe ihn mit dem Mord retten wollen, hieß es. Umstritten ist auch, seit wann sich Gu Kailai und Neil Heywood kannten. Das Gericht ging laut Xinhua davon aus, dass sich beide seit 2005 kennen, nach britischen Medienberichten arbeiteten sie aber bereits seit den 1990er Jahren zusammen.

dapd/dpa

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