Radikalislamische Miliz

Kampf gegen Isis: USA schickt Truppen in den Irak

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Ein Soldat der kurdischen Peschmerga-Truppe nahe der irakischen Stadt Kirkuk.

Bagdad - Der Vormarsch der sunnitischen Terrorgruppe Isis veranlasst die USA zum eingreifen: Sie wollen wieder Truppen in den Irak schicken.

Nach dem massiven Vormarsch der Terrormiliz Isis bereiten die USA im Eiltempo Militärschläge im Irak vor. Die ersten der 300 Soldaten sollen laut „New York Times“ bereits in den nächsten Tagen im Irak eintreffen und mögliche Ziele für Luftangriffe gegen die Terrormiliz prüfen. Die Islamisten verbreiten seit Anfang vergangener Woche Angst und Schrecken in dem arabischen Land und stellen Bilder von Massenexekutionen ins Internet. Sie haben dutzende Menschen, zumeist Ausländer, in ihrer Gewalt und könnten diese für Austauschaktionen oder als menschliche Schutzschilde missbrauchen.

Zweieinhalb Jahre nach dem Ende des Irakkrieges betonte US-Präsident Barack Obama nach einem Treffen mit Top-Sicherheitsberatern im Weißen Haus am Donnerstagabend zugleich, es sollen keine Kampftruppen in den Irak zurückkehren. US-Kommentatoren zeigten sich am Freitag skeptisch: Auch der Vietnamkrieg hatte seinerzeit mit der Entsendung von Militärberatern begonnen. Obama sagte laut CNN, Ziel sei es, einen Bürgerkrieg im Irak zu verhindern, der die ganze Region destabilisieren könnte. Auch dürfe kein Rückzugsgebiet für Extremisten entstehen, die von dort Anschläge auf die USA planen und umsetzen könnten.

Türkei weist Mitverantwortung an Isis-Expansion zurück

Die Türkei hat jede Mitverantwortung für das Erstarken der islamistischen Terror-Miliz Isis in den Nachbarländern Irak und Syrien vehement zurückgewiesen. „Wir sind gegen jede Art von Terrorismus“, sagte der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu am Freitag nach einem Treffen mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Istanbul. „Der Türkei hier eine Verantwortung zuzuschieben, ist für uns nicht akzeptabel.“ Auch aus der SPD waren Vorwürfe laut geworden, die Türkei habe aus Interesse an einem Sturz des Regimes in Syrien das Einsickern von Isis-Kämpfern in die Nachbarländer nicht verhindert.

Die Lage: Städtekampf - Auswärtiges Amt "passt Sicherheitsmaßnahmen an"

Bei Kämpfen um die irakische Stadt Mukdadija nordöstlich von Bagdad sind mindestens 30 schiitische Milizionäre getötet worden. Die Aufständischen griffen den Ort am Freitagmorgen an und lieferten sich heftige Gefechte mit Sicherheitskräften, wie ein Polizeioberst und ein Arzt erklärten. Die kurdische „Peschmerga“-Armee hat nach eigenen Angaben Isis-Terroristen nördlich von Bagdad zurückgeschlagen. Wie die kurdische Nachrichtenseite „Rudaw“ am Freitag weiter berichtete, rückten die Peschmerga in die Provinz Dijala nordöstlich von Bagdad vor, um dort gegen Verbände der Isis zu kämpfen. Die mehrere Tage lang von Isis kontrollierte Stadt Dschalula sei „zu 90 Prozent“ befreit, ebenso große Teile des Umlandes.

Nach Angaben aus Bagdad sollen sich inzwischen zwei Millionen Iraker freiwillig zum Kampf gegen Isis bereiterklärt haben, die bis 60 Kilometer an die stark gesicherte Hauptstadt heranrückte. Das Auswärtige Amt teilte mit, es beobachte die Lage im Irak. Die Sicherheitsmaßnahmen für Botschaftsmitarbeiter in Bagdad würden entsprechend angepasst.

Für einen Militäreinsatz der USA gegen Isis wäre nach Einschätzung von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kein Mandat des Weltsicherheitsrates erforderlich. Die Lage im Irak verschlechtere sich täglich, sagte er der „Neuen Zürcher Zeitung“. Das russische Außenministerium betonte, mögliche Luftschläge auf Ziele im Irak seien nur mit einem Mandat des UN-Sicherheitsrats legitim.

Isis wirbt mit Propaganda-Video um westliche Kämpfer

Die Terrorgruppe „Islamischer Staat im Irak und in Syrien“ (Isis) hat ein neues Rekrutierungsvideo im Internet veröffentlicht. In dem 13 Minuten langen Clip „Es gibt kein Leben ohne Dschihad“ werben die selbst ernannten Gotteskrieger vor allem um Kämpfer aus der westlichen Welt. Stehe uns in „diesen goldenen Zeiten“ bei, heißt es im Video. „Du musst sowieso sterben, das ist sicher.“

Zu sehen sind unter anderem britische und australische Dschihadisten, die für den „heiligen Krieg“ werben. Sie sitzen im Halbkreis vor Palmen, Sturmgewehre liegen in ihren Schößen. Einige haben ihr Gesicht verhüllt.

Ein Isis-Kämpfer behauptet, Allah habe die Organisation auserwählt: „Keiner hat so viele Mudschaheddin wie wir.“ Ein anderer spricht davon, wie depressiv er geworden sei, als er noch „im Westen“ gelebt habe. Nur der Dschihad könne „diese Depression heilen“ und glücklich machen: „Kommt zu uns und fühlt dieses Glück.“ Ein Isis-Kämpfer sagt, so Gott wolle, werde man einen Staat in der Region errichten, auch in Jordanien und auch im Libanon.

Das Video ist professionell geschnitten. Es wird vom „Al-Hayat Media Center“, einem Propagandakanal militanter Islamisten verbreitet. Isis führt parallel zu seinen Angriffen im Irak einen umfangreichen Propagandakampf im Internet.

dpa

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