Großprojekte in Deutschland

Kein Pech, aber viele Pleiten und Pannen

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Die Elbphilharmonie in Hamburg ist ein nettes Objekt für Lichtinstallationen. Der Steuerzahler hat jedoch wenig davon: Die Eröffnung war eigentlich für 2010 geplant, der Bau sollte 77 Millionen Euro kosten. Mittlerweile sind fast 800 Millionen Euro zu berappen. Voraussichtlicher Eröffnungstermin: 2017.

Hamburg - In Deutschland wird gebaut und gebaut - und für den Steuerzahler wird es teurer und teurer: Die 40 größten Bauvorhaben des Bundes produzieren mittlerweile Mehrkosten in Milliardenhöhe.

Das geht aus einem internen Bericht von Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) vor, über den der „Spiegel“ berichtet hat. Dem Papier der Bauministerin zufolge bleiben lediglich 14 der 40 Projekte im Kostenrahmen. „Weitere Kostenrisiken“ nennt der Bericht dagegen unter anderem bei der Sanierung der Berliner Staatsbibliothek Unter den Linden, die sich inzwischen auf 442 Millionen Euro belaufen sollen (plus 35,5 Prozent). Beim Robert-Koch-Institut in Berlin seien die Kosten von etwa 100 auf 170 Millionen Euro gestiegen. Als Ursache nennt das Ministerium nur schwammig die „Komplexität des Projekts“.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Redakteur Ralf Enders.

Ein Hochsicherheitstrakt zur Erforschung von Tierseuchen und Viren, das Friedrich-Löffler-Institut auf der Ostseeinsel Riems, kostet der Liste zufolge sogar 190 Millionen Euro mehr als geplant. Dies sei ein Plus von 126,7 Prozent. Um mehr als 80 Prozent seien die Kosten bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz in Dortmund gestiegen. Das Bundesbildungsministerium in Bonn bringt es derzeit immerhin auf 29 Prozent höhere Baukosten als geplant.

In einem Schreiben an den Bauausschuss des Bundestags räumte Ministerin Hendricks laut „Spiegel“ Probleme in der Bauverwaltung ein: „Bei einzelnen Bauverwaltungen tragen strukturelle Defizite und ein zu weit gehender Personalabbau inzwischen zu einer teilweise unzureichenden Aufgabenwahrnehmung bei“, heiß es darin. Immerhin: Hendricks hat nun mehr Personal für die Bauverwaltungen angekündigt, um gegen die steigenden Kosten bei öffentlichen Bauvorhaben vorzugehen.

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Die Bundestagsabgeordnete Lisa Paus (Grüne) kritisierte die Unterfinanzierung der Bauverwaltung: „Es nützt am Ende nichts, wenn die öffentliche Hand Personalstellen einspart, aber wegen schlechter Planung und Kontrolle bei Bauprojekten regelmäßig Millionen und Milliarden an Steuergeldern verschwendet“, sagte sie.

afp/re

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