Kommentar: System am Limit

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Lutz Kämpfe

Wer schon einmal gesehen hat, wie in Krankenhäusern geputzt wird, wer je erlebt hat, wie gehetzte Ärzte, überarbeitete Schwestern und Pfleger durch Klinikflure hasten, dem erschließt sich nicht, wo hier noch Einsparpotenziale liegen sollen. Von Lutz Kämpfe

Das alles macht vielmehr den Eindruck eines Systems am Limit. Und doch soll gespart werden. Die Frage ist, wo und wen es treffen soll.

Während sich Gesundheitspolitiker gerne zur „bedarfsgerechten und wohnortnahen Versorgung“ bekennen, tobt quer durch die Republik ein Konkurrenzkampf der Kliniken. Auch das aktuell angestimmte Wehklagen der Krankenhäuser wegen angeblich zu hoher Tarifabschlüsse der Ärzte ist letztlich ein weiterer Akt des immer gleichen Stückes „Krankenkassen gegen Krankenhäuser“.

Mangelnder Gestaltungswillen

Es geht um handfeste Interessen. Wobei die Frage ist, ob damit auch die Interessen der Patienten gemeint sind. Vorgeblich dreht sich zwar immer alles um das Wohl von Kranken und Verletzten. Doch wer das OP-Tuch ein wenig lüftet, entdeckt darunter eben auch lockende Finanzströme sowie Betreiber, die um Marktanteile rangeln - und dazu noch die Angst von Kommunen vor Bedeutungsverlust durch Standortverschlechterungen.

Die Gesundheitspolitik könnte hier weitaus größeren Gestaltungswillen im Sinne einer planvollen und sachgerechten Lösung an den Tag legen. Doch will sich offenbar kein Politiker als vermeintlicher Sterbehelfer eines kleinen Krankenhauses in der Nachbarschaft anprangern lassen - wie wenig sinnvoll manche Krankenhausstruktur im Lande auch sein mag. Lieber lässt man sterben. Am Ende sind es dann die bösen Kräfte des Marktes gewesen - eines Marktes, den die Politik aus Angst und Kraftlosigkeit mitinszeniert hat. Letzteres wird gerne verschwiegen.

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