Seehofer in Prag

Klug gehandelt

Horst Seehofer und Petr Necas haben klug gehandelt: Bayerns Ministerpräsident und sein Gastgeber, Tschechiens Regierungschef, konnten Streit um die Benes-Dekrete und die Vertreibung der Sudetendeutschen nicht lösen. Aber sie schoben das Thema der Vergangenheit beiseite, um den Weg in die Zukunft freizubekommen. Von Wolfgang Blieffert

Dass die Reise Seehofers ins Nachbarland - 65 Jahre nach Kriegsende - immer noch der Hauch des Historie umwehte, ist eigentlich ein Anachronismus. Längst haben sich zwischen Deutschen und Tschechen enge und vertrauensvolle Beziehungen entwickelt. Nur zwischen München und Prag haperte es, weil Bayern sich den dort inzwischen heimisch gewordenen Sudetendeutschen besonders verpflichtet sah.

Diese und die Millionen anderen Vertriebenen wurden 1945 in Kollektivhaftung genommen für die Verbrechen, die von Deutschen an Tschechen, Polen und Russen verübt wurden. Glücklicherweise hat bei der Bewertung dieser leidvollen gemeinsamen Geschichte auch in der tschechischen Gesellschaft ein Umdenken begonnen. Dieser Prozess wird weitergehen, auch weil Seehofer und Necas gestern schrille Töne vermieden haben.

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