Koalition der Sprachlosen

Zu den Errungenschaften, die Deutschland dem Wirtschaftswunderkanzler Ludwig Erhard verdankt, zählt eine simple Weisheit: Wirtschaft besteht zu 50 Prozent aus Psychologie. Dieser Grundsatz wird von Politikern gerne zitiert - und doch sträflich missachtet.

Die Umstände, unter denen die große Koalition ihr zweites Konjunkturpaket verabschiedet hat, lassen einen Erhard im Grabe rotieren. Nicht allein wegen der Debatte um Enteignungen - auch daran hätten die Väter der Marktwirtschaft nie zu denken gewagt. Das Hauptproblem ist die fehlende Überzeugung, der Kleinmut, die Sprachlosigkeit, mit der die Regierung der Krise begegnet.

Die Politik muss einen klaren Kurs abstecken und überzeugender argumentieren, will sie bei den Bürgern Vertrauen schaffen. 50 Milliarden übers Land zu ver teilen - das allein genügt nicht. Die Menschen, die in diesen Wochen erstmals voll mit den Ausläufern der Krise konfrontiert werden, suchen Halt und Orientierung. Statt ihre - durchaus sinnvollen -  Entscheidungen im Detail zu begründen, saßen die CDU-Kanzlerin und ihr SPD-Vize stumm auf der Regierungsbank und sahen zu, wie die Opposition ihr Paket lustvoll zer pflückte.

Merkel und Steinmeier überließen es dem angeschossenen Finanz- und dem neuen Wirtschaftsminister, über das größte Konjunkturprogramm der deutschen Geschichte zu sprechen. Zumindest Karl-Theodor zu Guttenberg machte seine Sache gut. Das ändert leider nichts an seinen Möglichkeiten: Der CSU-Minister mag ehrgeizig sein, gebildet und beredt. Sieben Monate vor der Wahl wird auch ein Guttenberg kaum noch etwas bewegen können.

politik@op-online.de

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