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Kommentar: „König Kurt“ entzaubert

Mainz - Desaster, Fiasko, Totalschaden - die Schlagzeilen über den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) sind in diesen Tagen gnadenlos. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Die Insolvenz des Nürburgrings, in die Beck mit seinem gigantischen 330-Millionen-Euro-Freizeitpark geschlittert ist, wirft dunkle Schatten auf die lange Zeit so erfolgreiche Amtszeit des Pfälzers. Am Mittwoch sah man ihm an, dass es ein letztes Aufbäumen war, die EU-Kommission für das Debakel an der Rennstrecke verantwortlich zu machen. Brüssel ist nicht gewillt, einen - weiteren - Neuanfang in der Eifel abzuwarten und dafür eine Rettungsbeihilfe zu genehmigen.

Dabei fällt es schwer zu glauben, dass der bodenständige Regierungschef nur gutgläubig war, als er die offensichtlich geschönten Berechnungen für florierende Geschäfte in der zweifelsohne abgelegenen Region für bare Münze nahm. Es war wohl eher das Festhalten am Traum eines Landesvaters barocken Typs, der sich mit einer gut gemeinten Infrastrukturmaßnahme ein Denkmal setzen wollte; und der deshalb Warnungen gerade in den Jahren der SPD-Alleinregierung von 2006 bis 2011 gern überhört hatte.

Offensichtlich hat sich Beck gerade in schwieriger Zeit zu wenig selbst um seinen Eifel-Traum gekümmert; plötzlich war er in Berlin Chef der SPD geworden. Ein fataler Irrtum freilich, denn in Berlin wurde der Mann aus der Provinz nie akzeptiert und 2008 schließlich zum Rücktritt genötigt. In dieser Zeit hatte sein Finanzminister Ingolf Deubel die Finanzierung des Beck‘schen Denkmals derart in den Sand gesetzt, dass er heute wegen Untreue angeklagt ist. Auch der „Neuanfang“ mit privaten Betreibern sollte weder Ruhe noch Geld bringen.

Kurt Beck ist dünnhäutiger geworden

Seitdem ist der leutselige Politiker, der gefühlt schon jedem Rheinland-Pfälzer die Hand geschüttelt hat, nicht nur dünnhäutiger geworden; er hat es auch deutlich schwerer, selbst wenn die Landes-SPD hinter ihm steht. Bei der Landtagswahl 2011 wurde sie nur noch knapp stärkste Partei und musste mit den bis dahin ungeliebten Grünen eine - mittlerweile aber gut funktionierende - Koalition eingehen. Doch mit CDU-Chefin Julia Klöcker tritt ihm erstmals seit langer Zeit eine Konkurrentin gegenüber, die sich um die Aura des „König Kurt“ nur wenig schert und permanent zur Attacke bläst.

Auch Becks Plan, seine Nachfolge in der Mitte der Legislaturperiode mit potenziellen Kandidaten hinter verschlossenen Türen zu regeln, ging schief. Das Vorhaben wurde publik und feuerte die Personaldebatte erst richtig an.

Der Konflikt um den Ring schwelte ständig nebenher, doch Beck übte sich bis zur Halsstarrigkeit in Beschwichtigungen. Erst kürzlich kündigte er selbstbewusst an, im November noch einmal um den Landesvorsitz zu kandidieren. Gut möglich, dass er nach der 330-Millionen-Pleite zulasten der Steuerzahler noch einmal über seine politische Zukunft nachdenkt. Ein Neuanfang wäre nicht nur am Nürburgring nötig.

Rubriklistenbild: © dpa

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