Kinder-Studie

Könige und Bettler

Kinder an die Macht? Zumindest entscheiden die „kleinen Könige“ in den Familien und Lebensgemeinschaften immer öfter mit. Wohin es in Urlaub geht, was eingekauft wird, welcher Sender im Fernsehen läuft. Zudem gehören Computer, Handy und Spielekonsolen für weit mehr als die Hälfte zum Alltag. Wer Kinder hat, weiß das alles. Von Ralf Enders

Die „KidsVerbraucherAnalyse“ ist in Teilaspekten gewiss informativ (vor allem für die Industrie), lässt jedoch zwei wichtige Aspekte unberücksichtigt: Zum einen gibt es Millionen Kinder, die in armen Haushalten leben und von der Entwicklung abgeschnitten sind. Bei Hartz-IV-Empfängern, Alleinerziehenden oder in „bildungsfernen Familien“, wie es politisch korrekt, aber beschönigend heißt, sucht man Computer und Co. oft vergebens. Zum anderen hantieren ebenfalls Millionen Kinder relativ unbeaufsichtigt mit den neuen Medien. Weil die Eltern zu bequem sind oder technisch und inhaltlich einfach nicht mehr mitkommen. Kinder heutzutage ohne PC großwerden zu lassen, ist ein Verbrechen an ihrer Zukunft. Vor allem im Internet aber müssen sie an die Hand genommen werden, um später einmal selbstständig und vernünftig surfen zu können.

Chancengleichheit und Schutz vor Schund und Abzocke - wenn Eltern dies nicht gewährleisten können, sind das durchaus ehrenvolle Aufgaben für den Staat. Höchste Zeit, dass unsere Schulpolitik auf die gesellschaftliche Realität reagiert und die Lehrpläne anpasst. „Medien“ könnte das neue Schulfach schlicht und treffend heißen.

@ ralf.enders@op-online.de

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