Noch kein Neuanfang

Kommentar: ADAC-Chef tritt zurück

ADAC-Präsident Peter Meyer ist zurückgetreten worden. So dreckig die Schlammschlacht beim mächtigen Autofahrerclub, so dreckig dieser Abgang, der immerhin ins Erscheinungsbild des ADAC passt: Meyer nimmt erst den Hut, als die Präsidiumskollegen in aller Öffentlichkeit an seinem Stuhl sägen. Von Ralf Enders

Der Rücktritt ist richtig, keine Frage. 13 Jahre lang hat Meyer das System geschaffen, dessen Auswirkungen er zunächst aggressiv leugnete, dann reumütig beklagte und zuletzt – vielleicht – geläutert bekämpfen wollte. Zu spät.

Keine Spur von Selbstkritik. „Für Fehler und Manipulationen von hauptamtlichen Führungskräften, denen gemäß ADAC-Satzung die Besorgung der laufenden Geschäfte obliegt, möchte ich nicht länger alleine verantwortlich gemacht werden“, sagt Meyer. Da hat er nicht ganz unrecht, aber wofür ist ein Präsident da? Das Ausmaß des Missmanagements ist zu groß, um nicht davon gewusst zu haben. Wer seinen eigenen Laden nicht im Griff hat – und die Kontrolle der Führungsspitze gehört dazu –, der hat einen Fehler gemacht.

Und nun? Meyers Nachfolger, der im Mai gewählt werden soll, ist nicht zu beneiden. Kommt er aus der hauseigenen Männerriege hinter Meyer, muss er schon kräftig bürsten, um den Filz loszuwerden. Kommt er (oder sie!) von außerhalb, fehlt eben der Stallgeruch, der schon viel zu lange durch die Münchner Hansastraße zieht. Doch Hoffnung besteht, denn wem es so richtig dreckig geht, der hat bekanntlich einen starken Willen zur Veränderung. Und der ADAC muss radikal umstrukturiert werden, daran gibt es wenig Zweifel. Verein und Mega-Konzern, der seinen Mitgliedern etwas verkaufen will, unter einem Dach, das geht nicht mehr.

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