Ältere werden oft benachteiligt

Kommentar: Ans Licht holen

Senioren in Deutschland werden immer wichtiger. Sie lösen Renten- und Gerechtigkeitsdebatten aus, Unternehmen geben sich entgegenkommend, damit Menschen mit altersbedingten Zipperlein bei ihnen arbeiten können, Parteien umgarnen sie mit Renten-Versprechen. Von Peter Schulte-Holtey

Radiosender spielen das „Beste der Sechziger und Siebziger“ rauf und runter, im Fernsehen läuft Werbung für Gelenksalben oder Gedächtnispillen. Ältere werden interessanter für die Werbeindustrie. Die gibt derzeit eine Studie nach der anderen in Auftrag, wohl kaum eine Bevölkerungsgruppe ist so gefragt bei Demoskopen. Über Senioren scheint man mittlerweile alles zu wissen: Was sie essen, wie sie einkaufen, wie sie denken und kommunizieren, wie genussfreudig sie sind, womit sie ihre viele Freizeit verbringen.

Das Paradoxe: Ältere werden mehr und mehr zur wichtigsten Bevölkerungsgruppe, über ihre Diskriminierung wissen wir aber noch sehr wenig. Da steigt plötzlich zum 60. Geburtstag der Beitrag für eine Unfallversicherung; zum Teil haben Ältere sogar Probleme, eine Mietwohnung zu finden. Eine Ungerechtigkeit, klare Sache. Es ist nicht hinnehmbar, dass Menschen aufgrund eines einzigen Merkmals benachteiligt werden. Geklagt wird allerdings wenig.

Hoffnung macht: Was bislang nicht als eklatantes gesellschaftliches Problem erkannt wurde, rückt am heutigen „Internationalen Tag der älteren Menschen“ in den Mittelpunkt vieler Diskussionen. Dabei stellt sich heraus, dass sich unsere Gesellschaft noch immer sehr schwer damit tut, darüber zu streiten und gegen die Schikanen lauter zu protestieren.

Wichtig ist, dass Ältere die vielen versteckten Schlechterstellungen ans Licht holen und ansprechen - auch, wenn es schwerfällt. Gut ist es bestimmt auch, den anderen mit einer konkreten Frage zu konfrontieren wie „Würden Sie das auch bei einem Jüngeren machen?“ Dadurch wird dem Angesprochenen oftmals ja erst sein Verhalten bewusst gemacht - denn oft steht sie eher unbemerkt im Raum.

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