Kommentar: Sender sollten abspecken

Wir alle werden genötigt. Was anderes als eine Nötigung ist die neue Haushaltsabgabe, die die öffentlich-rechtlichen Sender gegen immer größere Widerstände zu verteidigen suchen? Es ist das Prinzip, das nach Umfragen mindestens einem Drittel der Bevölkerung aufstößt.

Die Neuerung bietet einmal mehr die Möglichkeit, den Blick am öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorbei speziell aufs Zwangsgebührenfernsehen zu werfen, weil das in der Bevölkerung präsenter sein dürfte.

ARD und ZDF nehmen jährlich fast acht Milliarden Euro ein. Zum Vergleich: Für Bildung geben wir in Deutschland knapp das Doppelte aus. Angesichts dieser Größenordnungen ist es schon mal angebracht, die ja zusätzlich noch werbefinanzierte Selbstbedienungsmaschinerie wieder einmal unter die Lupe zu nehmen. Das Ergebnis vorneweg: Das Konzept der Öffentlich-Rechtlichen ist nicht zeitgemäß, benötigt zu viel Geld für zu viele Programme und produziert zu wenig Qualität.

Mögen die Programmmacher aufschreien. Wer mit einem die Gebühren rechtfertigenden Bildungsauftrag ausgestattet nach der Quote schielt, versucht den Geschmack der Massen zu treffen. Das ist an sich nicht verwerflich, entspricht aber eben nicht dem Auftrag und führt dazu, dass der Quote wegen zumindest auf den führenden Kanälen „Tatort“-Wiederholungen aufklärenden Reportagen vorgezogen werden. Als wären ARD/ZDF Dax-Konzerne, gilt Quote als Erfolg. Da wird dann schon mal ein Mehrteiler mit den letzten Folgen an einem Abend „weggesendet“, weil nur 2,5 Millionen zugeschaut haben. Die meisten Kinofilme haben nicht so viele Besucher.

Für die Quote wird von den Programm-Direktoren schon immer mal wieder eine Anzeige in der Tageszeitung geschaltet, was im öffentlich-rechtlichen Bereich völlig widersinnig und raus geschmissenes Geld ist. Unsummen verschlingen Spartenkanäle, deren beste Sendungen prima im Hauptprogramm untergebracht werden könnten und deren Rest nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit gesendet wird. Was für eine Verschwendung an Ressourcen, die dort fehlen, wo das Program mit Wiederholungen gestreckt wird. Das nervt, ebenso die Unzahl langweiliger Talkshows, in denen jeweils immer die selben Gäste auftreten, und die meist schon bei den rascher auf aktuelle Entwicklungen reagierenden Privaten nichts Substanzielles zu sagen hatten.

Insgesamt verhalten sich ARD/ZDF, als stünden sie außer im Kampf um Werbeeinnahmen auch beim Programm zu den Privaten in Konkurrenz. Telenovelas sind die Quotenhits bei RTL & Co., also werden bei den öffentlichen Sendern gleich drei ausgestrahlt. Im Sport liefert man sich sündhaft teure Schlachten um Senderechte, weil Fußball, Olympia und Weltmeisterschaften die Massen vor den Bildschirm locken. In der Folge fehlen riesige Summen fürs Rest-Programm, zumal die teuer erworbenen Rechte ja zwingend eine kostenintensive Betreuung des jeweiligen Ereignisses erfordern. 480 Fernsehmitarbeiter wurden nach London geschickt. Damit hatte quasi jeder Sportler der deutschen Olympiamannschaft seinen eigenen Reporter/Kabelträger/Kameramann etc.

Um etwas kleinere Beträge geht es bei den Gottschalks, Jauchs, Illners und anderen Topverdienern, die - um Peer Steinbrücks Vergleich zu bemühen - übers Kanzlerinnen-Gehalt nur milde lächeln können. Da trifft es sich gut, dass Angela Merkel an ARD/ZDF einen Appell zum Maßhalten gerichtet hat. Der gilt sicher auch der Bezahlung mehr oder weniger prominenter aber in der Regel bestens vermarkteter TV-Gesichter. Bei 400 000 Euro Jahresgehalt für die Ansage von Lotterie-Gewinnern darf der Zwangsgebührenzahler schon mal etwas unwirsch werden. Dem will auch nicht einleuchten, dass ARD und ZDF 150 Tochterfirmen gründen mussten, von denen sich die eine oder andere im Graubereich des Schleichwerbungsmarktes tummelte.

Schließlich: So wie sich die öffentlichen Sender mit riesigem Aufwand des Internets bemächtigt haben, hatten sie keinen Auftrag. Wenn sie wenigstens bei der Gelegenheit die Jugend abgeholt hätten. Doch die bleibt uninteressiert. So geben ARD und ZDF acht Milliarden plus Werbeeinnahmen aus für ein Publikum, dessen Durchschnittsalter bei etwa 60 Jahren liegt. Diese Statistik allein ist Grund genug, das Ruder herumzureißen. ARD und ZDF sollten fusionieren und die Zahl der Landesrundfunkanstalten sollte sich an der Anzahl der redundanten Programme orientieren. Dann kommen wir vielleicht auch mit zwei, drei Kochsendungen aus. Dass manchmal weniger auch mehr ist, zeigt das österreichische Fernsehen, das mit zwei Hauptsendern sowie den Spartensendern Kultur und Sport ein sehr ausgewogenes, sowohl unterhaltendes als auch informatives Programm macht.

frank.proese@op-online.de

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