Ärzte stimmen für Streik

Kommentar: Kassen in er Pflicht

Das haben wir nun davon: Dr. R. tritt in den Streik. Nicht in den per Abstimmung beschlossenen Praxisstreik. Das wissen wir jedenfalls nicht genau. Er rechnet vielmehr auf privater Basis mit dem System ab. Denn Dr. R. verweigert sich künftig den Kassenpatienten. Von Frank Pröse

Ob er die Drohung aus dem ersten Ärger heraus wahr macht oder nicht, es sei dahingestellt. Der Grund jedoch ist erhellend: Dr. R. wird von den Kassen abkassiert. Die behalten 85 Prozent seiner Ansprüche ein, weil er zuviel ihrer Patienten behandelt hat. Wäre er lieber paar Wochen in Urlaub gefahren, der Dösbaddel. Als Arzt muss er doch wissen, wie mit einem widersinnigen, ja zynischen Abrechnungssystem umzugehen ist.

Es geht dabei nicht um buchhalterische Feinheiten, es geht ums Prinzip. Und danach ist Dr. R. Opfer, weil er medizinisch das Menschenmögliche zum Wohle seiner Patienten getan hat. Doch vom Dank und der Wertschätzung der Patienten kann er nicht leben, ebenso wenig von den Pauschalen pro Patient und Quartal, für ausführliche Beratung oder den Hausbesuch. Die sogenannte sprechende Medizin wird nämlich im Vergleich zur Apparatemedizin miserabel honoriert. Auch die Verteilung der Honorare unter den Medizinern gehört deshalb von diesen neu geregelt. Das entbindet die Kassen allerdings nicht von der Pflicht, die Honorare von Zeit zu Zeit anzupassen. Bei einem Angebot von 0,9 Prozent darf freilich auch ein ohnehin gut verdienender Arzt mal streiken. Vielleicht aber kriegt er ja gar nicht so viel, wie im Allgemeinen vermutet wird - siehe oben.

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