Angela Merkel und die CDU

Kommentar: Heute hier, morgen dort

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Tibor Pézsa

Als Gerhard Schröder Deutschland von 2003 bis 2005 modernisierte und seine SPD damit fast zerriss, da wurde ihm vieles vorgeworfen, nur nicht, dass er keinen Kompass habe. Von Tibor Pézsa

Wie zielführend Schröders Agenda 2010 tatsächlich war, wissen wir heute, da uns die damaligen Reformen des Sozialsystems und des Arbeitsmarkts vor Schlimmerem schützen.

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass Schröder bei fünf Millionen Arbeitslosen tun musste, wovor sich Helmut Kohl mit seiner CDU stets gedrückt hatte. Dafür stellt Angela Merkel nun Atomkonzernen den Stuhl vor die Tür, gibt das dreigliedrige Schulsystem auf und macht die Bundeswehr zu einer Sicherheitsfirma. Sie bestreitet es, aber ihr Kurs ergibt sich aus Lage der Dinge, nicht weil sie ihn immer schon fahren wollte. Damit ist freilich noch lange nicht ausgemacht, ob Merkel Deutschland zum Schlechteren oder zum Besseren führt. Sicher scheint nur, dass sie ihrer CDU auch noch beibringen könnte, dass bei Parteitagen nicht mehr das Deutschlandlied zu singen ist, sondern Hannes Waders „Heute hier, morgen dort“.

Natürlich muss auch Angela Merkel auf die riesigen Herausforderungen dieser Zeit reagieren. Dass die CDU-Chefin sagt, sie wisse nicht, wohin der Weg führe, dass er aber Schritt für Schritt gegangen werden müsse, ehrt sie. Schröder hätte seine Agenda so freilich nie durchbekommen.

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