Merkel-Umfragen

Kommentar: Viele Nackenschläge

Es ist erst wenige Monate her, da brodelte es heftig in der Berliner Gerüchteküche: Angela Merkel habe sich bereits entschieden, zum vierten Mal als Kanzlerkandidatin für die Union anzutreten, wurde im Sommer kolportiert. Von Angelika Dürbaum

Sie sei für die Union „alternativlos“ hieß es, schließlich sahen die Meinungsforscher eine absolute Mehrheit für die Union mit Merkel an der Spitze bei der Bundestagswahl 2017 als möglich an. Alles Schnee von gestern. In den jüngsten Umfragen dümpelt die Union bei weit unter 40 Prozent herum, die Zustimmung zur Kanzlerin ist drastisch eingebrochen. Knapp die Hälfte der Bundesbürger will keine weitere Merkel-Amtszeit mehr. Grund: die Flüchtlingskrise, die die Mehrheit der Bundesbürger um die Zukunft des Landes bangen lässt.

Unisono zeigen die Umfragen auch: Die Unionsanhänger unterstützen in großer Zahl Merkels Weg in der Flüchtlingsproblematik. Beim CSU-Parteitag vor zehn Tagen drängte sich indes ein anderer Eindruck auf. Und wie groß der Rückhalt für Merkel in der CDU ist, wird sich in zwei Wochen beim Bundesparteitag in Karlsruhe zeigen. Dort stehen zwar keine Vorstandswahlen auf dem Programm, aber ein Gradmesser ist das christdemokratische Klassentreffen allemal. Zumal sich Merkel nun auch noch mit einem Forderungskatalog von Innenpolitikern aus den eigenen Reihen konfrontiert sieht. Die Vertreter aus Bund und Ländern wollen eine „effektive Begrenzung des massenhaften Zustroms“. Beobachter sprechen bereits von einer „Revolte“ gegen die Kanzlerin.

Tatsache ist, in ihrer zehnjährigen Amtszeit hat Merkel noch nie so viele Nackenschläge einstecken müssen, noch nie haben sich ihre Widersacher so deutlich aus der Deckung gewagt. Und eins ist die Kanzlerin in der Union sicher auch nicht mehr: alternativlos.

Rubriklistenbild: © dpa

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