Kommentar: Ansteckung zu stoppen?

Der Flächenbrand scheint nicht mehr aufzuhalten. Die italienischen und spanischen Zahlen zeigen, wie die Finanzmärkte auf Sondergipfel-Beschlüsse reagieren, die man zwar gefasst, aber deren Ausarbeitung man erst einmal liegengelassen hat. Von Detlef Brewes, Brüssel

Wie die Bundesregierung den Menschen verkaufen will, dass man nun auch noch für den Ausfall Roms und Madrids bei der nächsten Griechenland-Rate geradestehen muss, ist ein Rätsel. Die ohnehin unpopuläre Rettungsaktion wird zu einem Ärgernis. Niemand kann es dem deutschen Steuerzahler verdenken, dass er nicht für die ökonomische Unbelehrbarkeit eines ignoranten römischen Regierungschefs in Verantwortung genommen werden will.

Der Euro-Raum zerbricht zwar nicht, aber seine Unterstützung verdunstet, wenn ein Mann wie Berlusconi (und in Grenzen auch Madrids Ministerpräsident Zapatero) alle Mahnungen und Ratschläge in den Wind schlägt. Italien wie Spanien haben über Jahre hinweg Milliarden aus den europäischen Fördertöpfen erhalten und diese verschleudert, ohne das Geld der anderen zur Haushaltssanierung zu nutzen. Die Frage nach dem Sinn neuer Hilfen zu stellen, ist angebracht. Und da soll uns niemand mit europäischer Solidarität kommen.

Die Euro-Region sollte dringend aufwachen. Alle Versprechen und Ankündigungen des Sondergipfels müssen schnellstmöglich in zahlenunterlegte, konkrete Leitlinien umgewandelt werden. Von den Märkten gibt es keine Schonfrist. Und Sparpakete, die wie in Italien erkennbar so datiert wurden, dass sie erst in der kommenden Legislaturperiode greifen, werden mit Recht gnadenlos als Mogelpackungen entlarvt. Von „ehrgeizigen Bemühungen um Stabilität“, die Brüssel in vorauseilendem Gehorsam den beiden Wackelkandidaten bescheinigt hat, ist nicht wirklich viel zu spüren. Das ist der Grund für die Explosion der Risikozuschläge. Und das ist auch der Grund für die schwindende Unterstützung der Europäerinnen und Europäer für die Bemühungen ihrer Regierungen, immer mehr Ländern unter dem Rettungsschirm Zuflucht zu gewähren.

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