Wehret den Anfängen

Kommentar zu Antisemitismus bei Kundgebungen

ARD-Experte Gerhard Konzelmann war sich bei einem Besuch in Offenbach vor vielen Jahren sicher: Der Nahost-Konflikt lässt sich nicht wegbomben; auch wenn noch so viel Blut vergossen werde, der Blutzoll bringe Israelis und Palästinenser im Streit ums Heilige Land einander nicht näher. Von Frank Pröse

Zu tief reichen offensichtlich die Wurzeln auch dieses Konfliktes, als dass sie gewaltsam herauszureißen wären. Man kann auf geraubtem Land eben nicht in Frieden leben, außer man ist zu weitreichenden Kompromissen bereit. Das wissen auch die Konfliktparteien. Und doch kommt es immer wieder zu neuen Gewaltakten, wie aktuell die gezielte Provokation der zuvor von der Gegenseite düpierten radikalen Palästinenser beziehungsweise die Rache für Hamas-Raketenangriffe auf Israel.

Reaktion und Gegenreaktion folgen den primitiven Wie-du-mir-so-ich-dir-Regeln aus Jugendtagen. Wenn auch jede Kriegspartei gute Gründe für eine solche Politik vorzubringen weiß, zielführend ist diese mit national-religiösem Hass getränkte Vorgehensweise nicht. Deshalb ist Kritik nur zu berechtigt. Und selbstverständlich muss Israel davon nicht ausgenommen werden, nur weil unsere Vorfahren Millionen von Juden ermordet haben.

Doch mit dem Rüffel für die Israelis, denen auch ein Recht auf Selbstverteidigung zusteht, muss es sein Bewenden haben. Gegen offen judenfeindliche Auftritte während Demonstrationen muss konsequent vorgegangen, unter dem Deckmantel der Versammlungsfreiheit darf schlimmster Hetze und Aufrufen zur Gewalt kein Raum gegeben werden. „Wenn solche Demonstrationen zuverlässig in Hass und Gewalt umschlagen, dann gibt es keine Alternative für ein Verbot.“ Insofern ist dem Antisemitismusbeauftragten des American Jewish Committe, Stephan Kramer, zuzustimmen. Der bezweifelt inzwischen, dass die jüdische Minderheit in Europa noch sicher ist. Das spüren offenbar auch die Außenminister Italiens, Frankreichs und Deutschlands, die mit folgender Erklärung dagegen halten: „Antisemitische Hetze und Anfeindungen gegen Juden, Angriffe auf Menschen jüdischen Glaubens und Synagogen haben in unseren Gesellschaften keinen Platz.“ Stimmt! Antisemitismus darf nirgends wieder eine Bühne bekommen.

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