Arbeitszeiten der Piloten

Kommentar: Sicher nach Malle

Von der Romantik, die mancher Passagier beim Sonnenaufgang am Ende eines Nachtfluges in der Kabine erlebt, ist im Cockpit wenig zu spüren: Übernächtigte Piloten müssen die Landung unter allen Wetterbedingungen schaffen - egal wie lange sie wach waren. Nein, das ist nicht „egal“. Von Detlef Drewes 

Die Neuregelung, die die EU-Kommission anstrebt, widerspricht elementaren Forschungen von Wissenschaftlern. Es hat auch keinen Sinn, mit angeblichen Ruhezeiten zu operieren, die tatsächlich mit Büroarbeit und technischen Checks gefüllt werden. Die Luftfahrtbranche argumentiert gerne damit, dass 2012 das bisher sicherste Jahr in der Luftfahrt war - es also vergleichsweise wenige Unfälle mit ebenso wenigen Opfer gegeben hat. Aber das ist kein Grund, sich zurückzulehnen, sondern die möglichen Risikofaktoren auszumerzen. Zu lange Dienstzeiten sind ein Risikofaktor.

Seit Jahren führt die EU eine Schwarze Liste mit Fluggesellschaften, denen wegen miserabler Zustände ihrer Flugzeugflotte die Einreise in die EU verweigert wird. Was bei Maschinen möglich ist, sollte auch für Menschen gelten: Airlines, die keine verantwortbaren Flugdienst-Regelungen sicherstellen, gehören ebenfalls auf eine „black list“.

Dass die Gesellschaften die strikte Denkweise ihrer Flugzeugführer nicht nachvollziehen wollen, liegt auf der Hand. Der wirtschaftliche Druck in der Luftfahrt ist groß. Billigflieger sorgen für scharfen Wettbewerb. Umso dringender muss es sein, auch den Passagier daran zu erinnern, dass hohe Sicherheit ihren Preis hat. Der liegt möglicherweise höher als 19 Euro für einen Flug nach Mallorca, aber dafür kommt man wenigstens sicher an, weil eine frische Mannschaft im Cockpit sitzt. Wer die Sicherheit am Himmel noch weiter verbessern will, darf nicht nur in Technik investieren. Er muss auch den Risikofaktor Mensch berücksichtigen.

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